Holzhaus | Gut Hartschimmel, Pähl, Ammersee-Region, Bayern

Holzhaus | Gut Hartschimmel

Licht. Schatten. Licht. Schatten. Immer wieder blinzeln Sonnenstrahlen zwischen den dunklen Fichten auf meiner Fahrt durch den spätsommerlichen Wald. Vom oberbayerischen Andechs bis zum Ammersee mäandert die Straße gemächlich den Berg hinunter. Kurz nach rechts gelinst lässt sich der nahe Ammersee nur erahnen, zu sehen ist er nicht. Plötzlich mitten im Wald scheinbar wie aus dem Nichts ein Schild: Gut Hartschimmel. Die einzigartige Alleinlage also kein leeres Versprechen. Na dann, scharf links hinein und dem Hideaway-Glück schon ein Stückchen näher!

Zwar geht es zunächst weiter über einen Schotterweg entlang herrlich alter Eichen, doch im Jahr 1900 war die Anreise von München nach Gut Hartschimmel noch ein richtiges Abenteuer. Für das großzügige Hochzeitsgeschenk - den Hof - bedankten sich Alexandras Urgroßeltern artig, wie sich das gehört, zu Besuch kamen sie jedoch nur selten. Mühselig die Erreichbarkeit, unwirtlich und wenig einladend das Gut zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Irgendwann hatte die Urgroßmutter die Faxen dicke, pendelte auf dem Anwesen einen geeigneten Ort aus und überzeugte ihren Mann zum Bau eines Ferienhäuschens mit dem Holz aus dem eigenen Wald. Ihre Idee der Sommerfrische: Malen, Lesen, Durchatmen im Grünen, zur Ruhe kommen in der bezaubernden Natur des bayerischen Voralpenlandes.

Salopp formuliert: die Pendelei hat sich ausgezahlt. Von der Veranda des schnuckeligen Holzhäuschens ist wenig vom Trubel des Hofalltags zu sehen. Seit 1992 wird hier eine biologische Landwirtschaft betrieben, die Gastgeberin Alexandra von Schönberg vor einigen Jahren übernommen hat. Der Sommerfrischler von heute guckt auf saftiges Gras, die Eselsweide zu Füßen, linkerhand die alte Obstbaumwiese, tiefgrüner Wald am Horizont. Ziegen und Esel mümmeln genussvoll am Fallobst, Schafe knabbern lustvoll an den Brombeersträuchern. Etwas weiter entfernt grasen Alexandras Galloway-Rinder sommers wie winters auf der Weide. Ob sich die Tiere ihrer Verantwortung für den Naturschutz bewusst sind? Vielleicht. Ein wertschätzendes Leben ist ihnen auf jeden Fall beschieden.

Ich sag mal so: wer Urlaub mitten in der Natur verbringen möchte, der den Namen auch verdient, ist hier goldrichtig! Vor 5 Jahren hat die hinreißende Gastgeberin das Ferienhäuschen saniert und glücklicherweise viel vom alten Charme des Isartalers Holzhauses belassen. Dunkles Holz, grüne Türen, bunte, grobe Stoffe in verspielt-floralem Design. Durch die Original-Holztür von 1917 gelangt man von der Veranda in die gute Stube, ein gemütlicher Kachelofen sorgt für die Wärme im Haus. Mindestens ein Lieblingsbuch gehört ins Gepäck, schöne Leseplätze machen richtig Lust auf lauschige Lektüretage. Im Schlafzimmer taucht die tiefstehende Nachmittagssonne den holzgetäfelten Raum in dieses weiche Licht, das mir schon im Wald aufgefallen ist. Hmmm, ob ich das mit dem Pendel auch mal ausprobieren sollte?



hiersein-Themen

natur

  • Gut Hartschimmel ist seit 1992 bio-zertifiziert und betreibt eine extensive Landwirtschaft
  • Das ist Alexandra besonders wichtig: alles, was auf dem Hof stattfindet, geschieht im kompletten Einklang mit seinen Tieren
  • An die 60 Galloway-Rinder leben wild auf der Weide in Offenstall- und ökologischer Mutterkuhhaltung
  • Die Ziegen, Esel und Schafe kümmern sich als 1-A-Natuschützer um das herumliegende Obst und das Abfressen der Weiden und Sträucher
  • Zum Fortbestehen dieser homöopathischen Landwirtschaft bietet die Gastgeberin Tierpatenschaften an
  • Um weitere wertvolle Ressourcen zu schonen, wird auf dem Hof Brunnenwasser und gesammeltes Regenwasser genutzt
  • Die Wärme im Haus erzeugt der alte Kachelofen mit dem Holz aus dem eigenen Wald
  • Urlauber werden gebeten, ihren Müll zu trennen; entsprechende Behälter stehen bereit

mensch

  • Die Mitarbeiter des Betriebs stehen aus Überzeugung hinter dem Konzept des Guts, gewaltfrei und respektvoll mit den Tieren zu arbeiten
  • Das gesamte Personal stammt aus der direkten Umgebung, wird regelmäßig geschult und hat aktives Mitspracherecht am Hof
  • Die Gastgeberin unterstützt die Idee der Beschäftigung von FÖJler:innen, die ein freiwilliges ökologisches Jahr in der Landwirtschaft absolvieren, sowie sozial benachteiligter Menschen

essen

  • Aus dem Obst der über 80 Jahre alten Obstbäume presst Alexandra Säfte, die sie in ihrem Laden direkt ab Hof verkauft
  • Außerdem im Angebot: Eier, Honig, Wild aus dem eigenen Revier sowie das Fleisch der Galloways, die so stressarm wie möglich direkt auf der Weide geschlachtet werden
  • Wie schön! Vor der Ankunft ihrer Gäste füllt die Gastgeberin den Kühlschrank mit den Basics und verwendet dafür nur Lebensmittel vom Hof oder aus der Region - bei Anfrage auch vegan/vegetarisch
  • Zum Frühstück wird ein Semmelservice angeboten

haus

  • Das über 100 Jahre alte Holzhaus konnte bei der Sanierung im Jahr 2016 seinen ursprünglichen Zustand weitestgehend beibehalten
  • Die alten Möbel wurden wieder hergerichtet und nur wo nötig durch neue, langlebige Stücke ersetzt
  • Zur Vermeidung von Wärmeverlust haben Handwerker aus der Region die Innenwände mit schadstofffreien und natürlichen Materialien verschalt und isoliert


und sonst so?

  • Das Holzhaus wird als echtes Hideaway nur an Erwachsene und maximal zwei Personen vermietet
  • Der Übernachtungspreis liegt bei 220 Euro zzgl. 60 Euro für die Endreinigung; der Mindestaufenthalt beträgt zwei Nächte
  • Bravo! In der Regel dürfen Urlauber am Abreisetag bis 18 Uhr bleiben
  • Wegen der vielen Tiere sind Hunde leider nicht erlaubt; die Hofhunde Pauline & Co stehen aber gerne zum Kraulen zur Verfügung
  • Damit das Abschalten gelingt, gibt es im Holzhaus kein W-LAN
  • Gut Hartschimmel ist auch Location für Hochzeiten, Film-, Fernseh- und Fotoaufnahmen; parallel zur Vermietung des Holzhauses finden keine Hochzeiten statt
  • Das sollte Urlauber wissen! Der Hof ist ein aktiver Biobetrieb, deshalb geht es natürlich nicht ganz geräuschfrei zu, aber respektvoll
  • Neben dem Hofladen dürfen Gäste im hübschem Papierladen stöbern, die Papeterie ist Alexandras große Leidenschaft
  • Lust auf Wandern? Der König-Ludwig-Weg führt direkt am Gut entlang
  • Lieber ans Wasser? Zum Ammersee sind es (bergab) nur einige Minuten mit dem Auto; weitere oberbayerische Seen in weniger als 30 Minuten zu erreichen