STUBN, Frasdorf, Chiemgauer Alpen, Bayern

STUBN in der Frasdorfer Hütte

Es gibt Geschichten, die klingen so schön, dass sie beim Zuhören eine Spur von Wehmut hinterlassen. Im positivsten Sinne. Diese erzählt von einer neu entfachten Liebe zur Heimat. Von der Sehnsucht nach einem Leben im Einklang mit der Natur. Im Rhythmus der Jahreszeiten. Die in den Bergen noch ihre völlig eigene Charakteristik haben. Um das Draußen wieder bewusster zu erleben. Sich mit Wertschätzung Dingen zu widmen, die wir oft als selbstverständlich erachten. Und um ganz im Süden Deutschlands auf knapp 1000 Meter Höhe eine Idee zu verwirklichen, die etwas bewegen soll.

Die Frasdorfer Hütte in den Chiemgauer Alpen ist jahrelang ein klassischer Hüttenbetrieb. Noch als Wirt zweier Restaurants in Berlin - »Katz Orange« und »Oh, Panama« - möchte Ludwig Cramer-Klett mit der alten Almhütte seiner Familie einen neuen Weg einschlagen. Gemeinsam mit zwei Freunden aus der Berliner Gastro-Szene, Max Müller, ehemals Koch im »Nobelhart & Schmutzig« und Benjamin Klein, gerade mit Frau Amalie von einem dänischen Biohof zurückgekehrt, tüfteln die drei am Konzept einer naturnahen und authentischen Gasthauskultur inmitten der bayerischen Berge.

An einem hochsommerlichen Sonntagmittag besuche ich die STUBN in der Frasdorfer Hütte, im Mai 2022 eröffnet nach dreijähriger Umbauphase. Bergauf durch den schattigen Wald, umschwirrt von kleinen Perlmuttfaltern, entlang bunter Wildblumenwiesen, auf denen blondbemähnte Pferde grasen. Duftend trocknet vor der Hütte büschelweise frische Bergminze auf einer Holzbank in der Sonne. Um sich auf den Winter vorzubereiten, wird der Sommer traditionell zum Einmachen, Fermentieren und Trocknen genutzt. In der Hütte dreht Max gut gelaunt zu Afrobeat-Sound gerade Knödel. Freundliche Bedienungen bringen mit schnellen Schritten köstlich aussehende Gerichte, aus den schönsten Produkten der Region, zu den Gästen auf die Terrasse.

»Um die Menschen und ihr Handwerk zu verstehen, kennen wir alle unsere Erzeuger persönlich«, erzählt Amalie, die in der STUBN für das (sehr hübsche!) Design verantwortlich ist. Gekocht wird mit den Zutaten der Saison, Fisch und Fleisch stammen teilweise aus der eigenen Forst- und Landwirtschaft, soviel Gemüse wie möglich baut Max im Almgarten oder in einer Solidarischen Landwirtschaft an. Aus Respekt zur Natur wird in der STUBN das gesamte Tier und (fast) alles vom Gemüse verwertet. »Also, recht viel bleibt da für den Komposthaufen nicht mehr übrig«, meint Amalie und lacht.

Tagsüber einfache Herzensgerichte und bodenständige Brotzeiten im Angebot, öffnet die STUBN am Abend für eine modern interpretierte Alpenküche, die Max und sein Team bezaubernd mit experimentellen Ideen bereichern. Und wie toppt man so ein hochkulinarisches Erlebnis? Mit einer Nacht in den Bergen. Über eine knarzende, alte Holzstiege gelangen Gäste ganz nonchalant strumpfsockig in elf almhüttencharmante, holzvertäfelte Zimmer im reduzierten Design mit Berg-, Wald- oder Wiesenblick. Die Bergnachtruhe: kurz fremd, dann wohltuend, schließlich berauschend schön. Ein Leben im Einklang mit der Natur? So geht's gewiss.



hiersein-Themen

essen

  • Die Vision der Betreiber: Tradition und Lebensmittelhandwerk mit größter Wertschätzung gegenüber Tier und Natur zu vereinen und ein regionales Netz aus Gleichgesinnten zu spannen
  • Alles, was in der ressourcenbewussten Küche der STUBN zum Einsatz kommt, stammt von Erzeugern und Produzenten aus der Region und dem Alpenland, die biologisch und ökologisch arbeiten – oder aus der Forst-, Jagd- und Landwirtschaft der Eigentümerfamilie
  • Das Obst kommt von der eigenen Streuobstwiese, sein Gemüse bezieht Max von einer befreundeten Demeter-Gärtnerei oder baut selbst an
  • Regelmäßig streift er neugierig über Bergwiesen und durch die Wälder, auf der Suche nach neuen Schätzen
  • Der Schwerpunkt liegt auf der Verwertung von Gemüse und pflanzlichen Lebensmitteln, Fisch und Fleisch wird als kostbares Gut betrachtet und in der Küche entsprechend achtsam verarbeitet

natur

  • Die Berghütte befindet sich in einem Flora-Fauna-Habitat-Gebiet, für den Schutz einer einzigartigen Landschaft und Natur
  • Um die Hütte herum summt es mächtig in der wilden Blumenwiese, die Nahrung und Unterschlupf für Insekten und Kleintiere bietet
  • Weiter oben am Berg stehen Bienenstöcke, die schmackhaften Berghonig liefern
  • Ihr Wasser bezieht die Almhütte aus einer eigenen Bergquelle; wegen der begrenzten Verfügbarkeit gibt es statt Duschen auf den Zimmern vier Einzelduschen für Gäste
  • Eine Solarthermieanlage versorgt Küche und Gäste mit Warmwasser
  • Da der Müll ins Tal hinuntergebracht werden muss, ist Mülltrennung selbstverständlich, Müllvermeidung von vornherein das erklärte Ziel
  • Reduktion aufs Wesentliche: Seife für Körper, Haare und Hände steht in Seifenspendern bereit, die aus Großgebinden nachgefüllt werden
  • Alle Reinigungsmittel sind biologisch abbaubar

mensch

  • Die STUBN ist ein junges Team von 14 Mitarbeitern aus der Region, anderen Teilen Deutschlands, Österreich und Dänemark
  • Weil dieser ganz besondere Ort für Gäste und Mitarbeiter gleichermaßen schön sein soll, gibt es täglich ein Mitarbeiteressen, das alle gemeinsam als Team genießen
  • Darüber hinaus arbeitet die STUBN mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern, die durch die aktuelle politische Lage in Deutschland gestrandet sind
  • Die anfallende Wäsche wird an einer Sammelstelle im Tal von einer Wäscherei aus der Region abgeholt, in der Menschen mit einer Behinderung tätig sind
  • Zukünftig plant die STUBN mit Schulen zusammenzuarbeiten, um Kindern mehr über den achtsamen Umgang mit der Natur zu vermitteln (z.B. Baumpflanz-Aktionen) und zu zeigen, wie gute Lebensmittel in der Küche (voll-)verwertet werden

haus

  • Bei der Sanierung der Almhütte von 1937 wurden überwiegend heimische Materialien, vor allem Fichte, Lerche und Tanne verwendet, die alten Holztreppen und Dielenböden wieder aufbereitet
  • Die Zusammenarbeit in der Umbauphase erfolgte mit ansässigen Handwerksbetrieben, um die lokale Gemeinschaft zu unterstützen
  • Die Einrichtung der Gästezimmer konzentriert sich aufs Notwendigste: ein Bett, kleine Holzhocker für Nachttischlampen - was braucht man mehr?
  • Die Betten wurden nach Maß von Schreinereien aus Aschau, Frasdorf und dem benachbarten Österreich gefertigt
  • Die Matratzen sind aus Naturkautschuk und Kokosfasern, das Bettzubehör aus 100% Bio-Baumwolle


und sonst so?

  • Das solltet ihr wissen! Die Frasdorfer Hütte liegt mitten im Wandergebiet der Chiemgauer Alpen und ist nicht mit dem eigenen Auto erreichbar (siehe Informationen zur Anreise)
  • Wer nicht gut zu Fuß ist, kann aber auch einen Shuttle buchen
  • Im ersten Stock der Almhütte gibt es fünf gemütliche Doppelzimmer mit Balkon, Deck Chairs und Bergblick, ein kleines Zimmer mit kuschligem Alkovenbett und ein Zimmer, von dem man direkt in den Wald hineinsieht
  • Den Gästen stehen Etagenbäder & Toiletten zur Verfügung, weitere Waschbecken befinden sich im Gang
  • Die großzügigere Honeymoon-Suite hat eine freistehende Badewanne und ein eigenes Waschbecken
  • Familienausflug in der Berge? Im zweiten Stock können ein Dreibett- und ein Vierbettzimmer gebucht werden
  • Berghütten-Feeling inklusive! Weil es wie in einer »richtigen« Berghütte eben knackst und knarzt, erhalten hellhörige Gäste dezent-charmant ein Päckchen Ohropax
  • Hunde sind nach vorheriger Absprache gegen eine Gebühr von 30 Euro erlaubt
  • Derzeit sind Übernachtungen nur von Donnerstag bis Montag möglich
  • WLan gibt es nicht; auch mal schön, oder?
  • Ihr könnt von der Frasdorfer Hütte einige moderate, aber auch anspruchsvollere Wanderungen unternehmen; unbedingt mehr als eine Übernachtung einplanen!
  • Im Garten, auf der Wiese und unterm Obstbaum stehen überall Deck Chairs aus Holz; also Füße hoch, Kopf ausschalten und Zeit vergessen
  • Wer nicht genug bekommt, kann sich im Hüttenshop mit Erinnerungen eindecken: Eingemachtes von Max, den berg-intensiven STUBN-Honig, chice Shirts mit dem Wolpertinger-Logo & mehr


Bilder

© STUBN | © Helmut Nägele