DAS SILO, Fröndenberg, Nordrhein-Westfalen

DAS SILO

Allein schon der Gedanke, in einem Silo zu schlafen, klingt bizarr, oder? Doch Anne, die herzliche Gastgeberin von »DAS SILO«, weiß, wie man aufwallender Skepsis charmant die Stirn bietet. Schwärmt vom blühenden Apfelbaum vor dem Fenster, dem Weitblick über die Pferdekoppel und den Feldern, die hinter dem Hof beginnen. Vermittelt überzeugend, dass selbst im westfälischen Fröndenberg, dem Eingangstor ins Ruhrgebiet, die Welt zuhause ist. Und hatte mit ihrer Familie die zündende Idee, wie sich ein jahrhundertealter Hof nachhaltig und zukunftsfähig weiterführen lässt.

Schön muss das sein: Jahrelang von Berufs wegen durch diverse Städte Deutschlands zu tingeln, mit der alten Jugendliebe aus Überzeugung wieder in die Heimat zurückzukehren und Annes altes Zuhause in ein gemeinsames Daheim zu verwandeln. Einen kleinen Haken hat die Sache, denn keine:r von beiden ist Bäuerin oder Bauer. Anne verdient sich im Verlagswesen, ihr Mann Peter ist als Interim-Manager in der Wirtschaft unterwegs. Wie selbstverständlich stellen sich die zwei Westfalen der Aufgabe, den Hof, seit 1486 in Familienhand, zu erhalten und beginnen 2021, die leerstehenden Gebäude auch ohne Vieh unter dem Dach wiederzubeleben.

Ganz oben im Silo, wo einst Gerste trocknete, spannt heute eine Holzbalkenkonstruktion einen luftigen Raum auf – über zwei Ebenen, mit feinen Designermöbeln, heimischen Kunstwerken und einer Lichtinstallation in der früheren Getreideförderanlage. Nur ein Hopser von der Dachterrasse und man säße wohl in der Krone von Annes Lieblingsapfelbaum. Im ehemaligen Stall sind vier individuelle Apartments entstanden, alt und neu stimmig verwoben und mit modernen, teils nachhaltigen Möbeln ausgestattet. In der Remise wurden mit architektonischer Finesse zwei tiny-house-artige Wohnungen unter das alte Scheunendach geschoben. Weil die Verbindung aus Holz und Stahl durchaus Farbe verträgt, schmückt jede der insgesamt neun Ferienwohnungen ein bunt gekacheltes Bad, in trendigem Matcha-Grün bis zu saftigem Mango-Gelb.

Münsterland, Sauerland, Westfalen und Ruhrgebiet! In Fröndenberg treffen vier beliebte Regionen Deutschlands aufeinander. Was Anne und Peter auf die Idee brachte, zusätzlich drei Seminarräume einzurichten. Vielfältig nutzbar und mit Sicht auf eine Blühwiese, wo selbst qualmende Köpfe fix wieder runterkühlen. Auch Urlauber:innen schätzen die inspirierende Ruhe des Hofs am Ende einer Sackgasse. Der (Melting-)Pott mit UNESCO Welterbe Zeche Zollverein und Taxiteller liegt praktisch vor der Tür, der RuhrtalRadweg führt durch den Ort und manch Großstädter:in blickt neidisch auf das Freibad in Fußnähe, das im Sommer seine Pforten bereits um 6 Uhr öffnet. Eine Auszeit im »SILO«? Klingt nach einem guten Plan!



hiersein-Themen

haus

  • Die Idee: Den Bestand des 550 Jahre alten Hofs so weit wie möglich zu erhalten, die Gebäudeteile mit nachwachsenden und regionalen Rohstoffen so zu modernisieren, dass die Geschichte ablesbar bleibt, zukünftig erneuerbare Energien zu nutzen und Räume für temporäres Wohnen, Arbeiten und Gemeinschaft zu schaffen
  • Gesagt? Getan! 2021 reichten Anne und Peter den Bauantrag ein, 2023 (ja, die Mühlen und so…) ging's los
  • Bewährt! Was in der Landwirtschaft immer schon gängige Praxis ist, fand auch beim Umbau der leerstehenden Hofgebäude statt: Vorgefundenes Material wurde konsequent weiterverwertet, so wie ursprünglich mal gedacht oder mit einer neuen Aufgabe
  • Ökologisch bauen: Die alten Holz-Silo-Wände wurden belassen, nur wo wirklich notwendig, neue Aufbauten aus heimischem Vollholz konstruiert und mit umweltfreundlichen Holzfaserplatten und mineralisierten Holzspänen gedämmt
  • Regionalität: Die Außenfassade des Silos ist Lärche aus Fröndenberg, deren Rinde vom Borkenkäfer befallen war, das Holz selbst aber tadellos
  • Re-Use! Auch alte Ziegelsteine aus einem landwirtschaftlichen Betrieb im Ort erhielten auf dem Hof ein zweites Leben
  • Geschichte neu gedacht! In die alte Förder- und Trocknungsanlage für Getreide wurde Licht eingezogen, in der obersten Silowohnung als Deckenbeleuchtung, in der Gemeinschaftsküche als Lichtkunstelement
  • Die Einrichtung: eine Mischung aus modernem Design, nachhaltigen Materialien und hoher Funktionalität; neben Vollholzbetten an festen Standorten, können Pappbetten an anderer Stelle schnell wieder auf- und abgebaut werden

natur

  • Das war den Silo-Betreibern wichtig: Eine hochwertige Modernisierung der alten Gebäude, ohne weitere Flächen zu versiegeln
  • Eine Streuobstwiese gehört schon immer zum Hof, den alten Klarapfelbaum zwischen Silo und Stall behielt Anne während des Umbaus besonders im Auge; heute blüht er wie eh und je!
  • Auf der gesamten Dachfläche von Stall, Silo und Remise wurde eine Photovoltaikanlage installiert
  • Der PV-Strom dient unter anderem der Warmwassererzeugung über eine Brauchwasserwärmepumpe und ermöglicht eine weitgehend autarke und nachhaltige Energieversorgung
  • Im Winter versorgt eine Hackschnitzelheizung den kompletten Hof, verfeuert werden eigene Holzabfälle und solche aus landwirtschaftlichen Nachbarbetrieben
  • »DAS SILO« ist nach kfW 55 gebaut und sehr gut gedämmt, das Holz ein guter Speicher, sodass auch in bitterkalten Wintern wenig Heizleistung erforderlich ist
  • Alle verwendeten Reinigungs- und Waschmittel sind nachhaltig, die Reinigungstücher waschbar
  • Die Wohnungen wurden mit Naturbettwäsche ausgestattet


und sonst so?

  • Insgesamt verteilen sich neun sehr individuell konzipierte Ferienwohnungen (für ein bis teils sechs Gäste) und drei Seminarräume (der größte für bis 50 Personen) über drei Gebäude (Silo, Stall und Remise); die größte Wohnung »Stall IV« (79 qm) lässt sich zum Seminarraum umgestalten
  • Jede Wohnung (selbst die kleinste mit 22 qm im Obergeschoss des Silos) ist mit einer Küchenzeile und einem Ess- bzw. Arbeitsplatz oder zusätzlichem Schreibtisch ausgestattet, einige haben eine eigene Terrasse
  • Die 32 qm große Ferienwohnung im Erdgeschoss des Stalls ist barrierefrei und rolli-geeignet
  • Zu mehreren unterwegs? »Stall I« und »Stall II« (für insgesamt vier Gäste), sowie »Silo II« und »Silo III« (für insgesamt acht Personen) sind gut miteinander kombinier- und buchbar; ein Babybett kann gegen Aufpreis bestellt werden
  • Die beiden Remisen (max. vier Gäste) verfügen über eine Schlafempore mit Dachfenster und einen Arbeits- und Wohnbereich mit Feldblick und Schlafsofa für zwei weitere Personen
  • In unmittelbarer Nähe zu allen Apartments und den Seminarräumen gibt es im Silo die ComKitch, eine große Gemeinschaftsküche, in der sich der ursprüngliche Zweck des Silos vielleicht am besten ablesen lässt
  • Der Mindestaufenthalt liegt am Wochenende bei zwei Nächten; unter der Woche ist auch eine Übernachtung für eine Nacht möglich, was besonders Geschäftsleute erfreuen mag; das nächste Autobahnkreuz in Richtung Dortmund & Co. liegt nur zehn Autominuten entfernt
  • Neben Team-Meetings, Offsites oder Workations lassen sich die Räumlichkeiten im Silo auch prima für andere Veranstaltungen oder Events nutzen wie Lesesalons, Weinproben, etc.
  • Hunde sind (gegen Gebühr) nur auf Anfrage in voriger Absprache mit den Gastgebern erlaubt
  • Ein Brötchenservice oder Frühstück (auch to-go) ist auf Anfrage und nach Voranmeldung möglich
  • Für Radfahrer:innen steht ein gesicherter Stellplatz mit Ladestation in der Remise zur Verfügung; »DAS SILO« ist noch ein echter Geheimtipp für alle, die auf dem beliebten RuhrtalRadweg unterwegs sind
  • Kommt rum! Wer glaubt, dass Fröndenberg nicht zum Urlaubmachen taugt, sollte sich unbedingt die (ganz toll aufbereiteten!) Gastro- und Freizeittipps auf Annes Webseite ansehen: Ob Schwimmen, Reiten & Golfspielen im Ort, Radfahren & Wandern in der Umgebung oder Kunst & Kultur im Ruhrgebiet, da ist für jede:n was drin! Versprochen!



Fotos: © Merle Weidemann