Mein Apfelbaum

Die Obstbaumpatenschaft - oder - mir gehört jetzt ein Apfelbaum

[ unbezahlte Werbung ] Naja, um ganz ehrlich zu sein, gehört er mir nicht direkt. Besagter Apfelbaum steht auf einer Streuobstwiese in der Nähe von München. Mehr durch Zufall bin ich bei einem Radausflug ins Münchener Umland über die Aktion 'Obstbaumpatenschaft' gestolpert. Zunächst etwas befremdlich ist da dieses Parkplatzschild mit dem Hinweis 'Rent an apple tree'.


Aber meine Neugierde ist geweckt. Zu Hause angekommen recherchiere ich erst einmal im Internet. Eine Verlosung soll entscheiden über Baumpate-Werden oder -Nichtwerden. Interessante Herangehensweise... Aber gut, schließlich hätte ich wirklich gerne so ein Bäumchen! Also kontaktiere ich die Abteilung Münchner Stadtgüter, die diese Aktion ins Leben gerufen hat. Ob das Los allerdings zu meinen Gunsten entscheiden wird, ist mehr als fraglich. In einer Stadt wie München, in der sich Anfang des Jahres so sagenhaft viele Bürger für das Wohl der Bienen ausgesprochen haben, ist der Run auf den ökologischen Apfel bestimmt riesig.


Die Streuobstwiese, auf der mein vielleicht zukünftiger Baum steht, liegt auf einem von zehn - durch die Stadt München - betriebenen Gutsbetrieben. Hochwertige Lebensmittel werden hier erzeugt und so ein Beitrag zur ökologischen Gestaltung der Kulturlandschaft im Ballungsraum geleistet. Und ta da! Das Glück ist auf meiner Seite. Ein paar Tage später erhalte ich doch tatsächlich den Zuschlag für einen Baum. Mein neues Patenkind heißt Nr. 22!

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Gute Vorbereitung ist alles

Ausgestattet mit Korb, Leiter und maximaler Vorfreude mache ich mich ein paar Tage später auf den Weg, um meinen Baum kennenzulernen. Die erste Hürde gleich zu Beginn. Denn ans richtige Schuhwerk habe ich bei der Vorbereitung nicht gedacht. Das letzte Mal bin ich als Kind durch eine Wiese voller Brennnessel gelaufen. Was ich schon damals als ziemlich unangenehm in Erinnerung habe, könnte man heute mit einer guten Thai-Massage vergleichen. Schmerzhaft und wohltuend gleichermaßen. Und trotzdem, fürs nächste Mal sind wohl Gummistiefel angebracht.


Es ist September und nur langsam verzieht sich jetzt der Morgentau und die damit einhergehende Bodennässe. Dafür werde ich aber mit einem wunderschönen Spätsommertag belohnt, herrlichem Sonnenschein, glasklarer Luft und einem stechend blauem Himmel.

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Aber wo ist jetzt mein Baum?

Die nächste Hürde folgt sogleich, denn wo genau ist eigentlich mein Baum? Zwar habe ich einen Lageplan und eine Nummer, aber beides hilft mir im ersten Moment nicht. So manch ein Baum scheint sich wie von selbst entleert zu haben und der Ertrag ist hier wohl gleich Null. Am Ende der Wiese sehe ich einen Vater mit seinem Sohn am Werke und winke ihm freundlich zu. Auch er habe erst einmal ein wenig suchen müssen, erzählt er mir und wünscht mir viel Erfolg beim Aufspüren. Ein System lässt sich nicht ausmachen, aber schließlich stehe ich doch vor meinem Prachtexemplar - Nr. 22.

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Und wie bekomme ich den Apfel nun vom Baum?

Während ich noch grüble, um welch edle und alte Sorte es sich hier wohl handelt, sogleich die nächste Erkenntnis. Hier ist also Hürde Nummer 3. Meine Leiter hat zwar mindestens fünf Sprossen mehr als die meines Baumnachbarn, dennoch decke ich damit maximal ein Drittel der Gesamthöhe ab.


Neidisch blicke ich rüber zum Nachbarn, dessen Equipment trotz Hobbyleiter so viel professioneller aussieht. Beherzt am Baum geschüttelt landen seine Äpfel auf der Picknickdecke, während sein Sohn die anderen Exemplare mit einem Kescher angelt. Und sind seine Äpfel nicht eigentlich auch größer, schöner und reifer? Fast ein wenig beschämt wende ich mich wieder meinem Baum zu. Mal ehrlich, worum geht es denn hier? Schnell die sinnlosen Wettbewerbsgedanken wieder abgeschüttelt freue ich mich wirklich sehr, dass ich temporär ein wahres Prachtexemplar von Apfelbaum mein eigen nennen darf.

In Opas Garten - oder - das bereichernde Gefühl der Ernte

Also nichts wie rauf auf die Leiter und unter Anwendung der scheinbar bewährten Schüttelmethode purzelt auch schon einer nach dem anderen in die Brennnesselwiese. Ein großartiges Gefühl stellt sich ein. Aber auch ein bisschen Wehmut. Ich muss an meinen Opa denken und die vielen schönen Apfelbäume in seinem Garten, die ich als Kind so geliebt habe. Aber nun wohne ich eben in der Großstadt. Folglich besitze ich auch keinen eigenen Garten. Umso mehr erfreue ich mich der unzähligen Bio-Äpfel, die ich hier ernte. Und es werden viele, so richtig viele.

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Vom Beschenktwerden und Verschenken

Dick bepackt, etwas verschrammt aber irgendwie auch ziemlich beseelt trete ich den Heimweg an. Und schon schießen sie mir durch den Kopf, unzählige Rezeptideen, vom Apfelmus über den gedeckten Apfelkuchen bis zum selbst gemachten Apfel-Chutney. Und das, was nicht verarbeitet werden kann findet schnell dankbare Abnehmer in der Familie und der Nachbarschaft.

Schutz durch Nutzung

Obstbaumpatenschaften werden mittlerweile von unzähligen Betrieben in ganz Deutschland angeboten. Auch in den sozialen Medien findet man unter den genannten Schlagwörtern mit größter Wahrscheinlichkeit einen Anbieter in direkter Nähe. Mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass Patenschaften in den Ballungsräumen sogar verlost werden. Nach dem Prinzip 'Schutz durch Nutzung' leistet ein Obstbaumpate einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der regionalen Artenvielfalt.

Unterkünfte auf hiersein - und echte Streuobstwiesen-Besitzer

Auch einige Gastgeber von Unterkünften auf hiersein bewirtschaften ihre eigene Streuobstwiese und setzen sich so aktiv für den Erhalt alter Obstbaumsorten ein. Hier einige Empfehlungen:

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