Alte Schreinerei Boutique Hotel
So mag ich Städtereisen. Mittendrin im Großstadtgetümmel wie ein klitzekleines Puzzle-Teilchen, das von einem übergroßen Wimmelbild geschluckt wird. Begleitet vom Sound hupender Autos, vorbeiratternder Trambahnen und dampfend-zischender Espresso-Maschinen der Stadtcafés. Sich einfach treiben lassen ohne erkennbares Ziel und im eigenen Tempo. Doch spätestens am Abend freue ich mich über einen ruhigen Ort, an dem ich all die Eindrücke des Tages sacken lassen kann. Und mein Kopf endlich ein bisschen Erholung bekommt. Wie schön, dass es so einen Runterbring-Ort auch im Süden von Köln gibt - abseits vom Großstadtgetöse und mit dem Rad nur 30 Minuten von der City entfernt.
Kuchenkunstwerke zu kreieren, das hat Annika Feckler im legendären »Le Cordon Bleu« in Paris gelernt. Zurück in Köln macht sich die Diplom-Patissière auf die Suche nach einer geeigneten Backstube und findet zusammen mit ihrem Mann Ralf in Köln-Weiss ein rotes Backsteinhaus von 1892. Ein ruhiger Stadtteil, fast schon ländlich mit historischem Ortskern und zauberhaften ein- und zweigeschossigen Fachwerk- und Backsteinhäusern. Das Haus ist groß und so erfüllt sich Annika schnurstracks noch einen weiteren Wunsch, na, eigentlich zwei - nämlich den des eigenen Cafés und eines kleinen Boutique Hotels. Doch bis die »Alte Schreinerei« ihre ersten Gäste empfängt, läuft hier sprichwörtlich - nur 100 Meter entfernt - noch viel Wasser den Rhein hinunter. Die Idee einer Sanierung mit Rücksicht auf Vorhandenes erfordert eben Zeit - und erst einmal eine komplette Entkernung bis auf Mauern und Treppen.
Drei Jahre später – im Jahr 2014 – zieht der erste röstfrische Kaffeeduft durch die »Alte Schreinerei«. Einige der älteren Bewohner:innen von Weiss erinnern sich sogar noch an die Schreinerei, die sich anfangs in dem historischen Gemäuer befunden hat. So viele liebevolle Details mit großer Umsicht restauriert, wie die alten Glastüren mit ihren bunten Glasscheiben und wunderschöne Intarsien im Café, abgeschliffene und unbehandelte Holzbalken in den Zimmern und der rohe und unverputzte Backstein im Treppenaufgang. Die Einrichtung: Ein smarter Mix aus antiken Möbeln in vier gemütlichen Zimmern und urbanem Vintage-Style im Frühstücksraum. Zurze Zeit später kommen eine weitere Suite und eine Ferienwohnung im gegenüberliegenden Fachwerkhaus hinzu. Um alles unter einen Hut zu bekommen, betreibt Annika ihr Café und die Patisserie mittlerweile nur noch für geschlossene Gesellschaften und Auftragsarbeiten. Ob beim Sundowner im mediterran bepflanzten Atriumhof oder einem entspannten Spaziergang am Rheinufer, in der »Alten Schreinerei« verschwindet vor dem Schlafengehen bestimmt auch noch das letzte Wimmelbildchen im Kopf.
hiersein-Themen
essen
- Als gelernte Patissière stehen für Annika Qualität und Geschmack natürlich an erster Stelle
- Alle Zutaten für ihre Kuchen stammen von ausgesuchten Händlern und Bauernhöfen aus der Region
- Im Wesentlichen kennt die Annika ihre Lieferant:innen persönlich und bietet beim Frühstück Freiland- und Bioprodukte aus der nächsten Umgebung sowie aus dem bergischen Land und der Eifel an
- Da die meisten Lebensmittel in Mehrzweckbehältern geliefert werden, fällt relativ wenig Müll an
- Fein! Zum Frühstück bekommt der Gast hausgemachte Marmeladen, Gebäck, Obstsalat und frisch aufgebrühten Kaffee aus einer Kölner Rösterei
haus
- Das alte Backsteinhaus wurde in drei Jahren aufwendig und behutsam nach ökologischen Gesichtspunkten kernsaniert
- Was das genau heißt? Die Dämmung erfolgte mit atmungsaktiven Holzfasern, der Verputz besteht in den Innenräumen aus Lehm, in den Bädern aus Kalk
- Der Wandanstrich erfolgte mit ökologischen Kreidefarben; Holzelemente, Türen und Fenster wurden mit Leinölfarbe gestrichen, alte Dielenböden mit Leinöl behandelt
- Optimales, atmungsaktives Raumklima in den Zimmern durch den bewussten Verzicht auf Styropor, Gips oder Latexfarben
- Ein leises Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung sorgt auch bei geschlossenen Fenstern immer für frische Luft
- Vorhänge, Kissen und Handtücher sind zu aus Baumwolle oder Leinen
- Der Gast schläft auf Naturlatex-Matratzen
natur
- Der Strom wird über eine eigene Solaranlage gewonnen, zusätzlich benötigter Strom wird von einem lokalen Stromanbieter zugekauft
- Die Gastgeberin hat sich entschieden, ihre Bettwäsche selbst zu waschen und zu mangeln, da die »Alte Schreinerei« abseits der üblichen Hotel-Route liegt
- Im Bad befinden sich nachfüllbare Pflegeprodukte
und sonst so?
- Es gibt insgesamt vier Zimmer im Haupthaus und zwei weitere Apartments im Nebenhaus
- Die Familiensuite im Haupthaus unterm Dach eignet sich für zwei Erwachsene und zwei Kinder mit einer separaten Maisonette-Ebene direkt unterm Dachgiebel und einem zusätzlichen 1,40 m breiten Bett (nur über Leiter erreichbar)
- Drei weitere Zimmer (Lehmmansarde, Fliederzimmer und Jadequartier) sind für bis zu zwei Personen geeignet
- Die zwei im gegenüber liegenden Apartments bieten jeweils Platz für fünf Personen (St. Nepomuk) und vier Personen (Zimmermannsstube)
- Eines der Zimmer liegt im Erdgeschoss und eignet sich mit seiner ebenerdigen Dusche für Menschen mit einer Geheinschränkung; für Rollstuhlfahrer:innen ist der Türstock aber leider zu schmal
- Das reichhaltige Frühstücksbuffet wird im bezaubernden Café-Ambiente zwischen Vintagemöbeln und Siebträgermaschine für einen Aufpreis von 18,- Euro pro Person angeboten
- Das Mitbringen von Hunden ist mit einen Aufpreis von 10,- Euro pro Tag erlaubt
- Kinder sind hier ausdrücklich und herzlich willkommen! Kinderbettchen & Co. gibt es auf Anfrage
- Es stehen zwei Capri Vintage E-Bikes zum Verleih (für 10,- Euro pro Tag) zur Verfügung
- Wer mal einen Tag Pause von der Großstadt braucht, der findet im Naturschutzgebiet »Weißer Bogen« zahlreiche Fuß-, Rad- und Reitwege oder kann auch einfach nur gemütlich am Rheinufer spazieren oder joggen gehen
- Fair, da kein Mindestaufenthalt: Die Lage der Alten Schreinerei ist ideal für alle Radler:innen, die auf dem Rhein-Radweg unterwegs sind und auch mal nur eine Übernachtung benötigen