Auszeit Tollensesee, Tollensesee, Mecklenburg-Vorpommern

Auszeit Tollensesee

Die Lieblingsbegrüßung meiner Berliner Oma? »Kommse rin, könnse rauskieken«. Treffender hätte ich es nicht formulieren können. Wer die dunkle Holztür der Cabin von »Auszeit Tollensesee« aufstößt, blickt schnurstracks wieder hinaus. Auf ein waberndes Meer aus Gräsern, dahinter die kuppige Waldlandschaft des Naturschutzgebiets Nonnenhof. Bis zu 170 Vogelarten nisten dort zur Brutsaison. Weltbester Logenplatz (nicht nur) während der Vogelzugsaison: das ultrabequeme Liegefenster zum ersten Morgenkaffee, den nächtlichen Schlummertrunk oder wohlige »Ich-mache-heute-mal-nix«-Einheiten. Eine Portion Geografie für die Orientierung: Der Tollensesee, ein Überbleibsel der letzten Eiszeit und gefühlt einer von Myriaden Seen der Mecklenburger Seenplatte, schmiegt sich wie ein Uhrzeiger auf Sieben zeigend, zu Füßen Neubrandenburgs.

»In der Bauphase ist man gut beraten, eine matschfreie Saison abzuwarten«, weiß Marc heute, während der sympathische Gastgeber der »Auszeit Tollensesee« den Grill für die nächsten Gäste sauberschrubbt. Mit einem stolzen Gewicht von 11 Tonnen pro Haus und schwerem Gerät wurde das Aufstellen der vier Cabins im späten Winter zur reinsten Schlammschlacht. Natürlich, energieeffizient und obendrein platzsparend. So malte sich der ehemalige Unternehmensberater seine nachhaltigen Rückzugsorte auf dem familieneigenen Grundstück am südlichen Ende des Sees aus. Für die Umsetzung dieser Idee gewann er eine Berliner Manufaktur, die schicke Minimalhäuser aus Holz mit durchdacht designtem Interior und einer Solaranlage auf dem Dach zur nachhaltigen Energiegewinnung offeriert.

Den Tollensesee im Rücken, das Naturschutzgebiet nur einen Vogelflügelschlag entfernt. Ein Ort zum Abschalten wie ein Versprechen, serviert auf einem Silbertablett. Rein äußerlich und im Grundriss identisch, bieten die vier schwarzen langgezogenen Holzhäuser mit Ausguck durch ihre Lage und die Möglichkeit der Nutzung ein erfreuliches Quäntchen an Individualität. Eine naturnahe Auszeit für jedermann, je nachdem welches der vier Cabins der Gast wählt: Fellnasenbesitzer, Schwitzkurenfreunde oder Freie-Sicht-Genießer. Allen gemein und ein Fest für Architekturliebhaber das Interieur: warm, reduziert aufs Wesentliche, den wenigen Platz sinnvoll genutzt, viel Holz. Um nochmals meine Großmutter zu zitieren und auf das Versprechen mit dem Silbertablett zurückzukommen: »Immer ran an de Buletten«. Also, unbedingt zupacken und dann in den absolut verdienten Auszeit-Modus am Tollensesee schalten.



hiersein-Themen

haus

  • Durch die Nähe zum Naturschutzgebiet stand für Marc früh fest, dass nur Holz als Baustoff in Frage kommt
  • Die Basis der Cabins: eine Holzrahmenkonstruktion gefüllt mit baubiologisch hochwertiger Zellulose zur optimalen Dämmung, eine vorvergraute Holzfassade und naturbelassene Wände aus Fichte, der Boden aus Eiche
  • Die gewählten Materialien machen die Häuser besonders langlebig und nahezu vollständig recycelbar
  • Mit der Tiny-House-Bauweise wird der ökologische Fußabdruck pro Gast so klein wie möglich gehalten
  • Die Möbel stammen aus einer Berliner Manufaktur, die regional, langlebig und hochwertig produziert
  • Matratzen, Bettwäsche & Handtücher bestehen allesamt aus biologischen Materialen
  • Die Hauspuschen sind aus 100% aus recycelten PET-Flaschen, stehen zum Reinschlüpfen (natürlich ohne Plastikhülle!) bereit und werden nach dem Gebrauch nicht weggeworfen, sondern gewaschen

natur

  • Über die Solaranlage auf dem Dach wird ein Großteil der Energie für Strom und Wärme selbst erzeugt
  • In den ersten Monaten wurde mehr produziert als verbraucht; der Gastgeber rechnet mit einem energieneutralen, möglichweise sogar einem energiepositiven Betrieb der Häuser
  • Nachdem die vormontierten Häuser auf dem Gelände standen, hat Marc eine Blumen- und Insektenwiese gesät und zwischen den Cabins Schmetterlingskraut gepflanzt
  • Um so wenig Fläche wie möglich zu versiegeln, wurden auf dem Parkplatz Rasengittersteine verlegt und der Zugang zu den Häusern minimalistisch mit Trittsteinen gelöst
  • Wo immer möglich kommen in der »Auszeit Tollensesee« Nachfüllbehälter zum Einsatz, Plastik wird nahezu komplett vermieden
  • Für die Reinigung der Häuser werden biologischen Produkten benutzt


und sonst so?

  • Jede der vier Cabins hat eine Größe von 28 Quadratmetern und ist geeignet für vier Personen
  • Eines von zwei Doppelbetten befindet sich ebenerdig in einer kuschligen Schlafnische; wie bei einer Art Hochbett gelangt ihr über eine Holztreppe zur zweiten Schlafmöglichkeit - ein Doppelbett mit Dachfenster zum Sternegucken
  • Wer mit Kindern anreist, kann separat Kinderbett und Kinderstuhl dazubuchen
  • Top! Keine extra Kosten für Endreinigung, Wasser, Strom, Heizung, Bettwäsche oder Handtücher (gewechselt wird nur auf Anfrage ab einem Aufenthalt von mehr als fünf Tagen)
  • Jedem Gast steht pro Cabin eine Waschmaschine mit ökologischem Waschmittel zur Verfügung
  • Der Check-in erfolgt kontaktlos über einen Türcode; wenn's aber mal dringlich ist, dann könnt ihr Jörg - die gute Seele vor Ort - ansprechen
  • Cabin »Damsons Dom« ist gedacht für Hundehalter (inkl. Hundekissen, Napf & Hundehandtücher), »Cherry Blossom« und »Williams Pear« verfügen über eine eigene Sauna und »Apple Garden« bietet euch einen komplett freien Südblick
  • Alle Terrassen sind Richtung Süden ausgerichtet und so platziert, dass ihr die Rückwand der jeweiligen Cabin vor euch zwar seht, eure Privatsphäre aber weitgehend ungestört genießen könnt
  • Keine Lust, Lebensmittel einzukaufen? Dann bestellt euch einfach die köstliche Frühstücks-Box oder Bio-Gemüse-Kiste von der Alten Tischlerei, die in der Nähe eine eigene Öko-Landwirtschaft mit Biohofladen und Bio-Restaurant betreibt
  • Für E-Autos steht auf dem Grundstück eine Ladestation zur Verfügung
  • Eure mitgebrachten Fahrräder und Wassersportgeräte könnt ihr gegen Gebühr in einen abschließbaren Schuppen stellen - demnächst könnt ihr diese auch vor Ort anmieten
  • Die nahe gelegene, kleine Badestelle Nonnenhof, ist mit ihrem seichten Einstieg besonders für Kinder geeignet
  • In den Sommermonaten legt ab der Haltestelle Nonnenhof ein Schiff ab, das an verschiedenen Plätzen am See und den größeren Strandbädern bei Neubrandenburg hält
  • Für Radler gibt es einen 34 Kilometer langen Seerundweg, der auch am Liepser See südlich des Tollensesees entlangführt
  • Tipp vom Gastgeber (pssst!): Wer es noch eine Spur einsamer möchte, erreicht nach einem kurzen Spaziergang auf dem Nonnenhofer Naturlehrpfad in Richtung Bornmühle einen verträumten, schon halb verfallenen Steg; am schönsten ist hier die Stimmung im Winter


Bilder

© Theresa Lange Fotografie