Biohof GutSo
Schräg wie eine Baskenmütze auf dem Kopf liegt nordöstlich von Stuttgart der Schwäbisch-Fränkische Wald. Im Mittelalter verlief mitten durch die dunkelgrüne Hügellandschaft die Grenze zwischen den Herzogtümern Franken und Schwaben. Noch heute switcht hier der Dialekt mitunter so abrupt vom Schwäbischen ins Fränkische, dass man ins Grübeln kommt, ob das wirklich noch Baden-Württemberg ist. Die beiden Flüsse Jagst und Kocher haben vor langer Zeit tiefe Täler in das flache Hochland geschnitten. Auf einem bildschönen Flussradweg, der unter Cyclist:innen noch als Geheimtipp gilt, cruist man hier gemütlich unzählige Flusswindungen entlang. Wer die unaufgeregt-ursprüngliche Gegend für ein paar Tage länger erleben möchte, findet auf dem »Biohof GutSo« eine hübsche Ferienwohnung bei Gaildorf im oberen Kocheltal, wo vier Freunde gerade für frischen Landwind sorgen.
Zur Vorgeschichte: Für die Vorbesitzer des Bioland-Hofs kam nur eine außerfamiliäre Übergabe in Frage. Kein leichtes Unterfangen, denn Höfe außerhalb der Familie weiterzugegeben, ist immer noch unüblich. In Schwäbisch Hall groß geworden, träumen die Geschwister Judith und Jakob schon lange vom Leben auf dem Land und einem eigenen Bauernhof mit naturverträglicher Landwirtschaft. Als die studierte Ökolandwirtin und der Biotopschutzbeauftragte über das »Hof sucht Bauer« Angebot der Reimers stolpern, erscheint es zunächst zu früh. Doch gemeinsam mit Judiths Ehemann Nico und Jakobs Partnerin Johanna packen sie Anfang 2025 allen Mut zusammen und übernehmen als Team den Betrieb der über 40 Jahre lang tätigen Bioland-Pioniere - samt Jura-Schafzucht und Border Collie Wega.
Manchmal, wenn die Sonne hinter dem Feld versinkt und ein letztes Blöken aus dem Stall kommt, fragt sich Judith: »Machen wir das jetzt wirklich?« Und hüpft mit einem warmen Gefühl vom Traktor runter. »Wir sind wie ein bunter Hund, jede:r von uns kann oder weiß etwas anderes«, verrät die Vollzeit-Landwirtin. Sie selbst lerne gerade noch viel über die Schafzucht von ihrer Vorgängerin. Jakob findet man meist bei seinen Bienen oder im Gemüse, Nico repariert Hofmaschinen, Zäune und was sonst noch so wackelt - und Johanna kümmert sich neben Stall und Acker um die jüngst fertiggestellte Ferienwohnung im alten Bauernhaus mit den weißen Sprossenfenstern und roten Fensterläden. Friedlich und ruhig liegt der Gästebalkon oberhalb des bunten Bauerngartens und bietet freie Sicht über die weiten Felder bis hin zum Wald. Und wenn im Frühjahr die Lämmer zum ersten Mal über die Wiese springen, gibt es für einen Moment wohl kein schöneres Fleckchen Erde als diesen kleinen Ort am Schwäbisch-Fränkischen Wald.
hiersein-Themen
mensch
- Die vier Freunde verfolgen eine gemeinsame Vision: Landleben in der Gemeinschaft, die sich gegenseitig stärkt und zeigt, wie nachhaltige Landwirtschaft heute aussehen kann
- Sie suchen nach Wegen, wie ein gesunder, moderner Hof funktionieren kann – mit gemeinsamer Verantwortung, geteilten Aufgaben und echtem Miteinander
- Wer hier zu Gast ist, spürt sofort, dass dieser Hof auf Beziehungen gebaut ist: zur Region, zur Natur, zu den Tieren und den Menschen, die ihn tragen
essen
- Der »Biohof GutSo« ist ein Bioland-zertifizierter, landwirtschaftlicher Betrieb mit Schwerpunkt auf Feldgemüseanbau (Kürbis, Rote Bete, Zwiebeln, Kartoffeln, Möhren), Getreide und Jura-Schafzucht
- Honig von Jakobs Bienenvölkern, die frischen Eier ihrer Hühner und Produkte vom Schaf ergänzen das Angebot
- Vermarktet wird regional und direkt: im eigenen Hofladen und über den örtlichen Supermarkt
- B-Ware erhält einen zweiten Wert – sie wandert in eine Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigungen, wo sie weiterverarbeitet wird
natur
- Den vier Freunden ist es wichtig, mehr Bewusstsein für die großen Herausforderungen unserer Zeit zu schaffen, wie den Klimawandel und den Verlust der biologischen Vielfalt
- Neben der nachhaltigen Landwirtschaft engagieren sie sich in der Landschaftspflege eines nahegelegenen Naturschutzgebiets
- Ihre Jura-Schafherde, eine robuste und fruchtbare Rasse, ist ideal für eine naturnahe Weidehaltung und könnte auch zukünftig für Landschaftspflegeprojekte eingesetzt werden
- Auf dem Hof selbst wurden Schwalbennester als Lebensraum an der Scheune angebracht. Regenwasser wird gesammelt, aufbereitet und wieder genutzt. Geheizt wird mit einem Hackschnitzelofen, gespeist aus Holz aus dem benachbarten Wald – kurze Wege, geschlossene Kreisläufe.
- Der Hof arbeitet komplett mit Öko-Strom
haus
- Das fast 70 Jahre alte Bauernhaus hat seine Geschichte bewahrt – und ist zugleich energetisch auf dem neuesten Stand; neue Vollholz-Alu-Fenster und eine frische Fassadendämmung sorgen dafür, dass das Haus heute hervorragend gedämmt ist und den Energieaufwand für die Heizung geringhält
- Für die Ferienwohnung haben die vier mit großer Sorgfalt nach gebrauchten, aber hochwertigen Möbeln und Stücken mit Charakter gesucht
- Die Holzverkleidung im Bad besteht aus recycelten Elementen eines Saunabauers
und sonst so?
- Die Ferienwohnung ist 70 qm groß und verfügt über ein Schlafzimmer mit Doppelbett und eine Schlafcouch im Wohnzimmer, geeignet für zwei bis vier Gäste
- Die Wohnung liegt als eigenständige, abgeschlossene Einheit im ersten Stock des Bauernhauses
- Weil der Bauernhof mit seinen Schafen, Hühnern und Bienen ein echtes Naturerlebnis für die Minis ist, stehen bei Bedarf auch Kinderbett und Hochstuhl bereit
- Ab dem zweiten Gast fällt ein Zuschlag von 12,- Euro/Person & Nacht an; die Endreinigungspauschale liegt bei 25,- Euro, der Mindestaufenthalt bei zwei Nächten
- Herrlich ruhig ist es hier! Reippersberg besteht aus wenigen Höfen – Gaildorf als nächster Ort ist in etwa zehn Minuten mit dem Auto oder 20 Minuten per Rad erreichbar
- Keine Lust zu kochen? Für typisch schwäbische Maultauschen & Co. solltet ihr dort unbedingt den Gasthof Kocherbähnle ausprobieren!
- Auch der Kocher-Jagst-Radweg führt direkt durch Gaildorf am Kocher; Er ist insgesamt 336 km lang und hat 6 Etappen, doch Querverbindungen zwischen den beiden Flüssen ermöglichen auch kleinere Radausflüge durch die stillen Täler
- Der nahe Schwäbisch-Fränkische Wald bietet sich nicht nur für Wanderungen an, seit Sommer 2025 gibt es auch ganz versteckt mitten im Wald drei Trekking-Camps - für ein kleines Abenteuer vor oder nach eurem Aufenthalt auf »GutSo«
- Mittelalter pur erlebt ihr in den autofreien Altstadtgassen von Schwäbisch Hall; jeden Sommer finden hier die beliebten Freilichtspiele statt (unbedingt Karten besorgen!) - auch das historische Schwäbisch Gmünd liegt nur knapp 30 Autominuten entfernt