Die Fellerei, Buntenbock, Oberharz, Niedersachsen

Die Fellerei

Mit allem habe ich gerechnet. Aber dass ein kleines Landhaus im Harz mein Herz mit meiner Lieblingskinderbuchreihe erobert, stand so nicht auf dem Programm. Beim Vorbeigehen entdecke ich den Titel des sechsten Bandes: »Geheimnis um … ein Haus im Walde«. Nachts geschehen hier seltsame Dinge. Was ein Glück, dass ich mich erst nach meiner Reise an die Geschichte erinnern werde. Ich mag die Stille, die den kleinen Ort Buntenbock umgibt. Die warmen Farben, die mich bis ins Zimmer tragen. Die kornblumenblaue Tür, die senfgelbe Wand, vor meinem Fenster ein grünes Meer aus Blättern. Und wie ein Passepartout, umhüllt ein ziegelroter Rahmen die weiß gestrichene Holzwand hinterm Bett. Schnell noch einen Blick in den nierenförmigen Retro-Spiegel, wie ihn meine Oma hatte. Jetzt aber los! Zeit zum Abendessen.

Als Kirsten und Tobias Feller im Jahr 2016 die ehemalige Brauerei übernehmen, ist diese schon viele Jahre als Hotel und Pension in Betrieb. Mit Feinsinn verleihen die neuen Gastgeber dem roten Holzhaus, von nun an »Die Fellerei« genannt, ihre ganz eigene Handschrift. Bringen den Harz aus Liebe zur Region nachhaltig ins Haus und auf den Teller. Mit besten Zutaten aus dem Umland und zumeist biologischen Produkten bereitet Köchin Sarah eine zauberhaft kreativ-regionale Küche. »Ist da Kardamom in der Sahne?« fragen sich meine Sitznachbarinnen am großen Tisch, als wir das Abendessen mit einem fluffig-saftigen Kürbiskuchen genussvoll beenden. Was für eine Wohltat! Endlich wieder heiteres Plaudern mit unbekannten Menschen über Dies und Das. Und während Tobias noch eine Weinempfehlung ausspricht, verrät uns Kirsten die schönste Rundwanderung um die vielen kleinen Teiche in der Umgebung.

Im Grunde kämen sie nur wegen der Fellerei in den Harz, erfahre ich beim Langschläfer-Frühstück am nächsten Morgen von meinen Mitgästinnen. Es sei einfach ein besonderer Ort zum Draußen- und Hiersein, ob mit Freunden, der Familie oder ganz für sich. Wiesen, Wälder, Bäche und manchmal auch ein Fuchs erwarten die Gäste direkt vor der Tür. Eigene Hühner kämen also nicht in Frage, doch Schafe könne sie sich durchaus vorstellen, verrät mir Kirsten beim zweiten Kaffee. Platz genug hätten sie, der wilde Garten ist weitläufig mit verborgenen Ecken zum Runterkommen für Ruhesuchende. Ihren aktiven Hausgästen bietet die ausgebildete Yoga-Lehrerin regelmäßig Yoga-Stunden an, belohnt wandermüde Füße mit einer Massage. Die Verbundenheit zur Heimat präsentiert sich in der Fellerei ohne Schnörkel mit charmant-frischer Natürlichkeit und großer Freude an kleinen Dingen. Und gewinnt so scheinbar mühelos die Herzen ihrer Gäste. Tja, manchmal reicht dafür auch die Lieblingskinderbuchreihe auf der Fensterbank.



hiersein-Themen

natur

  • Alle Achtung! Die Gastgeber gehen sehr transparent mit den Themen Klimawandel und Waldsterben im Harz um
  • Damit sich ihre Gäste wohlfühlen, ist es ihnen umso wichtiger, ihre grüne Oase zu pflegen
  • Im großen Garten ziehen sie eigenes Gemüse, Früchte und Kräuter, die mit Brunnenwasser aus der hofeigenen Quelle und aufgefangenem Regenwasser gegossen werden
  • Weil sie den Lebensraum von Tieren aktiv schützen und möglichst wenig in die Natur eingreifen, leben auf dem Grundstück so seltene Tierarten wie der Gartenschläfer
  • Die Fellerei bezieht zu 100% Ökostrom
  • Eine nachhaltige Lebensweise bedeutet für Kirsten und Tobias aber auch, funktionierende Elektro- und Haushaltsgeräte weiterhin zu nutzen und nur dann auszutauschen, wenn nötig und dabei auf den höchsten Standard zu achten
  • In Sachen Müllmanagement und Vermeidung von Plastik gibt es in der Küche keine Convenience-Produkte (und natürlich aus Überzeugung nur frische Lebensmittel!), werden Nahrungsmittel in Großgebinden geliefert
  • Die Gästeseife der auffüllbaren Behälter stammt aus ökologischer Produktion von kleinen Betrieben aus Deutschland und Österreich
  • Einsatz von umweltfreundlichen Reinigungs- und Waschmitteln

essen

  • Beim Essen legen Kirsten und Tobias größten Wert auf Regionalität und wenn möglich aus biologischer Produktion
  • Die Speisen sind meist vegetarisch, Fleisch gibt es nur einmal in der Woche von hiesigen Bioanbietern, wie z. B. das Harzer Höhenvieh
  • Auch Wildschinken und -wurst zum Frühstück stammen aus den Harzer Wäldern
  • Obst und Gemüse, Brot und weitere Zutaten bezieht die Fellerei aus dem Harzer Umland
  • Kaffee und Tee kommen immer aus fairem Handel und werden in kleinen Manufakturen in Deutschland verarbeitet

mensch

  • Die Fellerei ist ein inhabergeführtes Hotel, ihr Personal stammt aus der Region
  • Alle Mitarbeiter:innen sind aktiv an der Weiterentwicklung des Hotels beteiligt; demnächst erscheint beispielsweise in Zusammenarbeit mit Köchin Sarah das erste Kochbuch der Fellerei
  • Im Hotelshop können Gäste mit großer Sorgfalt ausgesuchte Produkte aus kleinen regionalen Betrieben erwerben

haus

  • Mit der Übernahme der ehemaligen Brauerei und der Bewahrung des alten Bestandes, der kaum verändert wurde, leisten die Betreiber ihren Anteil zur soziokulturellen Nachhaltigkeit
  • Viele der vorhandenen Möbel, wie z.B. die Betten haben Kirsten und Tobias nach ihren Vorstellungen umgewandelt, bewusst mit Vintagemöbeln gemischt und mit wenigen, neuen Stücken aus möglichst umweltfreundlicher Produktion ergänzt


und sonst so?

  • Das kleine Hotel besitzt 12 individuell und farblich unterschiedlich gestaltete Doppel- und Einzelzimmer, auch mit zwei Schlafzimmern und gemeinsamer Badnutzung
  • Die Zimmerpreise beginnen ab 94 Euro pro Person inkl. Langschläfer-Frühstück und Halbpension (der HP-Preis beträgt 48 Euro pro Person)
  • Für Seminargruppen bietet die Fellerei einen Seminarraum mit etwa 45 qm und einen Wintergarten mit etwa 18 qm an (Beamer, Stellwände, Flip-Charts und Moderationsmaterial sind vorhanden)
  • Neben den regelmäßigen Yoga-Stunden leitet Kirsten auch (sehr beliebte!) Retreats & Workshops; bei Interesse lohnt es sich schnell zu sein, denn die ersten Termine für 2022 sind bereits ausgebucht
  • Im Harz-Spa, der kleinen Sauna mit Ruheraum, können sich die Gäste nach der Wanderung wieder aufwärmen und entspannen
  • Hunde sind leider nicht erlaubt
  • Noch Lust auf einen Gin Tonic aus einer Harzer Manufaktur oder ein Harzer Hüttenbier? Bitte schön, auch in der gemütlichen Bar wird sehr viel Wert auf Regionalität gelegt


Bilder

© Anna Schäflein | Mona Feller