Ferien im Baudenkmal, Ickelheim, Franken

Ferien im Baudenkmal

Wie eine frisch aufgeschüttelte Patchwork-Decke legen sich rapsgelbe, ackerbraune und wiesengrüne Rechtecke in sanften Wellen über die vorbeiziehende Landschaft. Am Horizont wachsen die Weinreben zartsprießend an den Hängen empor. Und im saftigen Hellgrün leuchten auf den Hügelkuppen die ersten frischen Knospen aus den Mischwäldern. Da bist du ja endlich, Frühling! Ganz beseelt stecke ich die Nase aus dem Autofenster, genieße die milden Sonnenstrahlen, bunt-schnattriges Vogelgezwitscher und die blassrosa Apfelblüte auf den Streuobstwiesen. Atme tief ein und aus - und freue mich auf meine Ferien im Baudenkmal!

Am Ziel angekommen muss ich zunächst am wunderschönen Fliederbusch vorm Haus schnuppern. Lächelnd kommt Gastgeberin Alexandra Ulm um die Ecke gebogen - mit einem wahren Ungetüm von Haustürschlüssel in der Hand. Mein erster Gedanke: in die Hosentasche passt der sicher nicht! Dafür aber in die antike Holztür des kuschligen Fachwerkhäuschens, das am Rande des fränkischen Dorfs Ickelheim bei Bad Windsheim steht. Obwohl schon fast 200 Jahre alt ist es das jüngste von drei Bauernhäusern, die Architekt und Denkmalpfleger Winfried Ulm vor dem Verfall bewahrt und mit großer Liebe zur Historie restauriert hat.

Wo im Stall des ehemaligen Forsthauses von 1757 zuletzt noch die Kühe standen, entspannen heute Urlaubsgäste zwischen historischen Möbelstücken auf italienischen Designer-Sesseln. Und im alten Holzküchenherd schmurgelt passend zum Ambiente auch schon mal ein Rehbraten im Slow-Cooking-Style leise vor sich hin. Das neueste Baby der Familie Ulm, ein Bauernhaus von 1682, ist ein schniekes Schmuckstück: verräucherte, schwarze Deckenbalken, eine zeitlos-moderne Einrichtung, selbst gebaute Holzbetten, Wandreliefs eines fränkischen Bildhauers und dazu ein Tüpfelchen 50er Jahre Design. Liebevoll arrangierte Details, die es zu entdecken gibt - und nur einen Bruchteil über die Arbeit verraten, die die Gastgeber hier hineingesteckt haben. Mein persönliches Highlight ist die bezaubernde Türglocke, die förmlich auffordert, an der Strippe zu ziehen und den Urlaub einzuläuten.

Meine Urlaubstage verbringe ich im ochsenrot-weißen Fachwerkhäuschen mit dem lila Fliederbusch. Dank des wunderbar großen Bodenfensters sitze ich auch bei Schmuddelwetter gefühlt im Garten und gucke ins frühlingsfrische Grün. Pfeife aufs Meditieren und sehe stattdessen stundenlang dem Meisenpärchen dabei zu, wie es in ein kleines Holzbalkenloch fliegt, um seinen Nachwuchs zu füttern. Auch an kühlen Frühlingstagen sorgt ein Bollerofen mitten im Raum für gemütliche Wärme. Auf Alexandras Empfehlung hin nehme ich morgen wieder die Abkürzung über die kleine Brücke am Bach, der direkt an den Garten grenzt. Vorbei an den beiden Pferden vom Nachbarn wandere ich dann über blühende Streuobstwiesen in die herrlich rapsgelbe, ackerbraune und wiesengrüne Natur. Mensch, Frühling, jetzt ist endlich Schluss mit dem Versteckspiel!



hiersein-Themen

haus

  • Teilweise bis zur Unkenntlichkeit mit Rigipsplatten verbaut, wurden alle drei Häuser zunächst behutsam in den Originalzustand zurückversetzt
  • Da Winfried Ulm mit historischen Baumaterialien handelt, erfolgte anschließend eine historisch korrekte Sanierung
  • Verwendung fanden dabei u.a. antike Schlösser und Fensterbeschläge aus Klöstern und Patrizierhäusern sowie alte Hölzer von Häuser- und Scheunenabrissen aus der Region
  • Die Materialien hat der Bauherr zusammen mit heimischen Handwerken nach baubiologischen Gesichtspunkten verarbeitet - und dabei bewusst auf Plastik, Pressspan und Beton verzichtet
  • Bei all ihrer Leidenschaft für Baudenkmäler ist den Gastgebern natürlich in erster Linie wichtig, dass sich Gäste wohlfühlen; die Einrichtung ist eine Mischung aus antiken, stilistisch passenden Möbeln (Barock bis Biedermeier), selbst geschreinerten Betten aus historischen Hölzern und hochwertigen, modernen Einrichtungsgegenständen

natur

  • In den drei Gärten hat Alexandra bienen- und insektenfreundliche Kräuter, Blumenwiesen und Stauden angepflanzt
  • Im naturnahen Garten von Ickelhaus 2 stehen alte Sauerkirsch-, Zwetschgen- und Apfelbäume; das Bauernhaus von 1682 (Ickelhaus 3) grenzt an eine eigene Streuobstwiese
  • Aus den Äpfeln pressen die Ulms naturtrüben Apfelsaft, den sie auch gerne ihren Gästen anbieten; wer's etwas hochprozentiger mag, erhält auch Zwetschgenschnaps und Obstler - gebrannt vom eigenen Obst
  • Zur Bewässerung nutzt Alexandra das aufgefangene Regen- und eigenes Brunnenwasser
  • Ein selbst gebautes Nahwärmenetz (Hackschnitzelheizung) versorgt neben den drei Ferienhäusern auch noch den ganzen Straßenzug; die Holzhackschnitzel stammen von Bauern aus den umliegenden Dörfern
  • Bei Einrichtung und Küchenausstattung wurde weitestgehend auf Plastik verzichtet


und sonst so?

  • Ickelhaus 1 (das ehemalige Forsthaus) hat zwei Ferienwohnungen für je bis zu 4 Personen (EG) und 8 Personen (1. OG + DG) und kann über einen abschließbaren Treppenaufgang als Einheit für bis 12 Personen genutzt werden
  • Ickelhaus 2 (das rot-weiße Fachwerkhaus) verfügt über zwei Ferienwohnungen - AD1829 für bis zu 6 Personen und Lichtblick für bis zu 4 Personen
  • Die Vermietung des großen Bauernhauses von 1682 (Ickelhaus 3) für bis zu 14 Personen startet ab September 2021
  • Die Wohnungen von Ickelhaus 1 und 2 sind wochenweise ab 630 Euro zu buchen, auf Anfrage sind auch kürzere Aufenthalte ab 2 Nächten möglich
  • Im Preis enthalten: Bettwäsche, Geschirr- und Handtücher, Basisausstattung für die Küche sowie Holz für Holzofen und Holzküchenherd (es gibt auch Induktionsherdplatten)
  • Auf den Preis kommt eine Endreinigungspauschale
  • Keine Barrierefreiheit; Haustiere sind nicht erlaubt
  • Nur einen Steinwurf entfernt: eine Metzgerei, die auch Lebensmittel für die Grundversorgung bietet und täglich mit frischen Backwaren einer kleinen Bäckerei aus dem Nachbarort beliefert wird
  • Gut zu wissen: die Ickelhäuser 1 und 2 haben beide keinen Fernseher; dafür prasselt und knackt es im Holzofen umso spannender....
  • Wer sich hier wohlfühlt? Neben Bewunderern historischer Gebäude, vor allem Naturliebhaber, Radfahrer, Weinfreunde, Kulturinteressierte (in der Umgebung befinden sich unzählige Schlösser und Burgen) und alle, die mal wieder richtig runterkommen wollen
  • Lust auf einen Tagesausflug mit dem Rad? Das mittelalterliche Rothenburg ob der Tauber ist nur 25 km entfernt
  • Wellness-Freunde gehen gerne in die Frankentherme nach Windsheim
  • Auch gut zu wissen: die Region ist eine der mildesten Deutschlands mit den meisten Sonnenstunden im Jahr!