Fränkisches Cottage
Mainbernheim ist ein fränkischer Ort, den man oft links liegen lässt. Wäre da nicht diese imposante Stadtmauer, an der Reisende eine ganze Weile entlangfahren. Vorbei an einer Handvoll der insgesamt 18 Türme, die eindrucksvoll die geschlossene Mauer der mittelalterlichen Kleinstadt zieren. Vorbei an blühenden Gärten, wo dank des beinah mediterranen Klimas prachtvolle Blumen, Gemüse und Weinreben gedeihen. Aber so richtig spannend wird es beim Blick hinter das Bollwerk, denn in Mainbernheim befindet sich Deutschlands erstes Albergo Diffuso.
Die Alberghi Diffusi sind eine Idee aus Italien. Wo Menschen aus einsamen Naturregionen ihre Dörfer verlassen haben, um in die großen Städte zu ziehen. Die Folge: Leerstände und der Verfall denkmalschutzwürdiger Häuser. Zur Belebung dieser Regionen hat sich Giancarlo Dall'Ara in den 80er Jahren ein Konzept ausgedacht, um es für Menschen wieder attraktiv zu machen, in ihren Dörfern zu bleiben. Denn wie wäre es, wenn bei der Instandsetzung verfallener Häuser auch Urlaubsunterkünfte geschaffen würden, durch deren Mieteinnahmen sich die Bewohner ihre Investitionen wieder reinholen könnten. Eine Idee, die aufgeht. Und so werden aus Dörfern »Hotels«, deren Zimmer sich über den ganzen Ort verteilen und Urlauber:innen das wahre Dorfleben präsentieren.
Der Leerstand von ca. 40 verwahrlosten Häusern war auch in Mainbernheim ein massives Problem. Das touristische Potential des Ortes mitten in der fränkischen Weinregion und am Rande des Steigerwalds doch eigentlich groß. Die Lösung? Ein fortschrittlicher Bürgermeister, engagierte Bewohner:innen und ein angepasstes Konzept, um touristisch wieder in Schwung zu kommen. In Mainbernheim checkt der Albergo-Gast an einer von zwei Anlaufstellen, der Rezeption, ein, wird mit einem »Bernemer Secco« begrüßt, persönlich vom Gastgeber, der Gastgeberin abgeholt und durch die Gassen der historischen Altstadt zur Unterkunft begleitet. Auf dem Weg sind noch einige arg mitgenommene Häuschen zu sehen, doch man spürt, mit wieviel Leidenschaft die Einheimischen hier schon angepackt haben und das kleine Städtchen langsam wieder aufatmet.
Janine und Elmar Scheller sind Albergo-Gastgeber, die eine tiefe Verbundenheit zu ihrer Heimat empfinden. Ihr Fränkisches Cottage - gerade mal fünf Minuten zu Fuß von der »Rezeption« entfernt - fällt auf und auch ein bisschen aus dem Rahmen mit seiner knallroten Eingangstür und dem unbehandelten Zaun aus gespaltenen Hölzern. Mit Unterstützung heimischer Handwerker:innen verwandelten die Schellers das verwahrloste Bauernhaus in ein kleines Schmuckkästchen. Hier eine alte Kommode, umfunktioniert zum großzügigen Waschtisch, dort eine antike Truhe von 1753 und Erstklässler-Stühle, die als liebevolle Ablage für die Bettlektüre dienen. Bummelt der Gast vom Cottage noch ein paar Schritte weiter, kommt er durch einen Einlass in der Stadtmauer zu den Grabengärten, wo Mainbernheimer:innen vielleicht gerade ihr Gemüse ernten. Mittendrin im Dorfleben? So geht's!
hiersein-Themen
haus
- Als Janine und Elmar das um 1900 erbaute Bauernhaus mitsamt Ziegenstall kaufen, ist es in einem komplett desolaten Zustand
- Doch die beiden nehmen die Herausforderung an und entkernen einmal komplett - mit Rücksicht auf das lokale Stadtensemble und in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde - und sanieren Haus und Stall anschließend mit großer Behutsamkeit
- Alle Handwerker:innen, die die Schellers für die Sanierung engagieren, kommen aus Mainbernheim oder den Nachbargemeinden
- Die Wände sind kalkverputzt und mit ökologischen Kreidefarben gestrichen
- Richtig viel Arbeit, die sich lohnt! Alle Dachbalken im Obergeschoss werden aufwendig abgeschliffen und anschließend unbehandelt belassen
- Fensterrahmen aus heimischen Hölzern, originalgetreu in Form und Farbe
- Dort, wo es möglich ist, lassen die Gastgeber authentische Bakelit-Lichtschalter und -Steckdosen anbringen
- Upcycling pur! Aus dem Nachlass der Großmutter und von Nachbarn retten sie gut erhaltene und antike Möbel womöglich vor dem Sperrmüll und kombinieren diese mit englisch angehauchtem Mobiliar; während ein Teil der schönen Stücke eine komplett neue Verwendung erfährt, dürfen andere stolz und würdevoll altern
mensch
- Elmar ist nicht nur aktives und überzeugtes Mitglied im Albergo Diffuso Verein, sondern auch 1. Vorstand
- Die Hauptaufgaben des Vereins: Die historische Bausubstanz zu erhalten und den Tourismus nachhaltig zu fördern und wiederzubeleben
- Mainbernheim will authentisch bleiben und die Stadt mit Blick auf die lange Geschichte für seine Bewohner:innen zu einem lebenswerten Ort entwickeln, der nicht nur Übernachtungsplätze bietet, sondern Gäste auch mit in die Gemeinschaft aufnimmt
natur
- Das Cottage wird über eigene Photovoltaik-Anlage mit Strom versorgt
und sonst so?
- Das Cottage bietet Platz für vier Personen; der Mindestaufenthalt beträgt vier Nächte
- Handtücher, Bettwäsche und Endreinigung sind im Preis enthalten
- Im Erdgeschoss: Wohnzimmer mit Essbereich, eine top ausgestattete Küche und ein großes Bad
- Über ein recht steile Treppe geht's hinauf in den urig-holzigen Fachwerkgiebel mit abgetrenntem Schlafzimmer und Doppelbett
- Gegenüber im Obergeschoss ist ein offener Bereich mit ausklappbarem Schlafsofa für zwei Personen, dazwischen eine gemütliche Leseecke, die durch ein großes Dachfenster viel Licht abbekommt
- Haustiere sind leider keine erlaubt
- Im ehemaligen Ziegenstall dürfen mitgebrachte Fahrräder untergestellt werden
- Frühstücken oder Brotzeit machen? Bei schönem Wetter im hübschen Vorgarten - einen Grill für euer Barbecue findet ihr hier außerdem
- Mainbernheim ist - psssst! - ein kleiner Geheimtipp und vielen Urlauber:innen noch nicht so bekannt wie seine stark frequentieren Nachbarinnen Volkach und Iphofen
- Auf vielen traditionellen und kulturellen Veranstaltungen rückt der Gast mit den Mainbernheimern freundschaftlich zusammen, wie z.B. bei »Berna - klingt echt gut«, ein Musik-Event, das alle zwei Jahre über den ganzen Ort verteilt stattfindet, dem Weihnachtsmarkt in der Altstadt, dem Schützenmittwoch, der Weinpräsentation (die Stadt hat einen eigenen Weinberg), dem Kartoffelfest in den Grabengärten, u.v.m.
- Und für Radtouren zum Main und in den Steigerwald ist Mainbernheim ein idealer Ausgangspunkt