Hof Janne
Für die schönste Aufstiegsroute zum höchsten Berg Norddeutschlands braucht es ordentlich Schmalz in den Oberschenkeln. Satte 857 Höhenmeter sind vom nördlichen Teil des Harzer Nationalparks bis auf den Brocken zu überwinden. Ein Glück, dass Gastgeberin Katharina ihren Gästen zum gemütlichen Ankommen erst einmal eine weitaus entspanntere Langschläfer-Tour empfiehlt. Sie führt entlang des »Grünen Bandes« am Luchsgehege vorbei bis zur Rabenklippe, bei gutem Wetter mit besten Brockenblick. Das Grüne Band: einst Grenzstreifen zwischen Ost und West, heute wichtiger Lebensraum vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Etwa auf halber Strecke der grünen Lebensader, die von der Ostsee bis nach Sachsen auf knapp 1.400 Kilometer verläuft, liegen das ehemalige Grenzörtchen Stapelburg und ein über 235 Jahre alter Hof mit Familiengeschichte.
Sie beginnt mit einem, der auszog, um sein Glück im Harz zu suchen, und endet (vorerst) mit zweien, die es dort gefunden haben. Einer Zeitungsannonce folgend verließ Katharinas Opa in den 50er Jahren das nachkriegsgebeutelte Berlin. Auf einem Hof im Nordharz übernahm er als Bäckermeister die Backstube, lernte Marianne kennen und lieben, sie bekamen drei Kinder, doch leider verstarb Opa Heinz viel zu früh. Als die Kinder ihre eigenen Wege gingen, entschied Marianne, das sanierungsbedürftige Gebäude gegen eine komfortablere Wohnung einzutauschen. Mit verschlossenen Augen sei sie jahrelang an »Omas« Hof vorbeigeschlichen, erinnert sich Katharina ein wenig wehmütig an fröhliche Kindheitstage, die sie lachend unter dem großen Kirschbaum verbrachte. Knapp 30 Jahre später denkt sie schmunzelnd darüber nach, wie sie wohl in diesem Jahr an Omas saftige Kirschen hoch oben in der Baumkrone kommt.
Katharina hat nach etlichen beruflichen Stationen in Hessen, Thüringen und Berlin wieder in die sachsen-anhaltinische Heimat zurückgefunden. Glückliche Umstände ermöglichten 2018 den Kauf von »Hof Janne«, benannt nach Omas Spitznamen, auf dem sie nun mit Tochter Ava lebt. Noch ist die ökologische Sanierung des Fachwerkgebäudes nicht abgeschlossen, ihr Traum wäre es, in Opas alter Backstube ein Hofcafé zu eröffnen. Seit 2021 können Urlaubsgäste Katharinas detailverliebtes Gespür für gemütlich-zeitloses Interieur kennenlernen. Im ersten Stock des Hauses liegt eine Ferienwohnung für zwei Personen mit erdig-warmen Farbtönen, im Ort getöpferter Keramik, nachhaltigen Möbelstücken und ausgesuchten Sammlerteilen. Besonders schön im Sommer: der Blick von der Terrasse in die Harzer Berge und über die Stapelburger Schneunendächer im samtig-sanften Abendlicht, darunter die bunte Blumenwiese mit summenden Bienen und flatternden Schmetterlingen. Der Wunsch nach einem eigenen Cafés muss vielleicht noch warten. Doch wie schön, dass Oma Janne den Beginn der neuen Hoffamiliengeschichte noch miterleben durfte.
hiersein-Themen
haus
- Bei der fachgerechten Sanierung des historischen Hofs wurde der Bestand größtmöglich erhalten und nur erneuert, wo dringend erforderlich
- Zum Einsatz kamen ausschließlich natürliche Baustoffe, wie Dämmwolle auf Naturbasis, Lärche zur Außendämmung, etc.
- Von innen wurden Holzfaserplatten und Lehm auf die Steinmauer aufgetragen, anschließend mit Kalk und Lehm verputzt und mit Lehmfarbe gestrichen
- Wie in ihren Privaträumen legten die Gastgeberin auch bei der Ferienwohnung großen Wert auf eine umweltschonende und natürliche Einrichtung
- Der Fußboden ist eine Mischung aus Rizinusöl und Kalk, das Bett handgefertigt aus Naturfasern, ausgesuchte Möbelsammelstücke bekommen auf »Hof Janne« eine zweite Chance, Teile des Geschirrs stammen von einer Töpferin im Ort, die gesamte Ausstattung besteht aus langlebigen Produkten und so wenig Plastik wie möglich
- Was Katharina besonders wichtig war: die Beauftragung regionaler Firmen und Unterstützung kleiner Manufakturen
natur
- Vor der Ferienwohnung befindet sich eine insektenfreundliche Blumenwiese mit zwei Apfelbäumen und einem Birnbaum, in der sich zahlreiche Bienen tummeln und Igel Unterschlupf finden
- Es kommt 100% Öko-Strom zum Einsatz
- Smarte Heizung: Bewegungsmelder registrieren die Abwesenheit der Gäste und reduzieren den Strom- und Wärmeverbrauch automatisch
- Sämtliche Lichtquellen wurden durch energiesparende LEDs ersetzt
- Bewusste Mülltrennung gehört zur Hausordnung, Bioabfälle werden verkompostiert
- Gäste werden angeregt, Plastik zu vermeiden, auf die Verwendung von Einweggebinden wird verzichtet
- Umweltfreundliche Putz- und Waschmittel für die Reinigung der Wohnung, Bettwäsche und Handtücher
und sonst so?
- Die 50 qm große Ferienwohnung im ersten Stock des Hofs ist über eine Außentreppe erreichbar und eignet sich für zwei Personen
- Im kleinen Eingangsbereich befindet sich eine bestens ausgestattete Küchenzeile, in der kostenfrei Bio-Kaffee, Bio-Tee und diverse Gewürze in Bioqualität zur Verfügung stehen
- Zur Linken liegt das Wohnzimmer mit Essbereich, Sofa und Schaukelsessel für gemütliche Tage zum Runterkommen, Lesen und bis in die Nacht schnacken
- Rechterhand finden Gäste ein nigelnagelneues Badezimmer im dezenten Grau und Schwarz, dahinter das Schlafzimmer mit dem ultrabequemen Boxspringbett einer nachhaltigen, griechischen Manufaktur und Kissen für jede Schlafvorliebe
- Vierbeiner sind gegen eine Gebühr (10,- Euro/Nacht) herzlich willkommen, die Endreinigungspauschale beträgt 50,- Euro
- Es gilt ein Mindestaufenthalt von zwei Nächten
- Der Balkon ist nach Westen ausgerichtet und ein herrlicher Ort, um den Tag mit Hühnergegacker bei einem Outdoor-Frühstück zu starten und im bezaubernden Abendlicht mit einem kühlen Getränk zu beenden
- Natürlich dürfen sich Gäste auch im Garten und auf der Blumenwiese aufhalten, es gibt eine Feuerstelle und Sitzplätze
- Pures Landlebenglück! Wer mag, bekommt bei den Hofnachbarn frische Wachtel- und Hühnereier und selbst hergestellten Honig von Katharinas Tante, die ebenso im Dorf lebt
- Am nördlichen Rand des Nationalpark Harz gelegen, ist »Hof Janne« ein idealer Urlaubsort zum Wandern, Mountainbiken, Klettern, Skifahren oder Stand-up-Paddling
- Für die eingangs erwähnte Wandertour auf den Brocken startet ihr von Ilsenburg, etwa 6 km südlich von Stapelburg; für die knapp 900 Höhenmeter und 3 1/2 Stunden Aufstieg solltet ihr aber gute Kondition mitbringen
- Die Wanderung zur Rabenklippe entlang des Grünen Bandes beginnt ab der Haustüre und eignet sich mit ihren 360 Höhenmetern auch für weniger trainierte Bergfexe
- Beliebt sind Ausflüge ins niedersächsische Goslar oder nach Wernigerode mit ihren hübschen Altstädten und Fachwerkhäuschen, näher und weniger überlaufen sind die schnuckligen Fachwerkorte Bad Harzburg und Ilsenburg, die ihr locker mit dem Rad erreichen könnt
- Räder können gegen eine Gebühr vor Ort ausgeliehen werden
- Gut zu wissen: der Europaradweg R1 führt direkt an Stapelburg vorbei
- Katharina kennt die Gegend aus dem Effeff und gibt euch gern kleine Geheimtipps