Staindlhof 1680, Waldkirchen, Bayerischer Wald

Staindlhof 1680

Der Oberfrauenwald ist ein bewaldeter Berg im südlichen Bayerischen Wald. Ganz oben auf knapp 1000 Metern über dem Meeresspiegel thront ein Aussichtsturm. Wer sich also zunächst einen Überblick verschaffen möchte, kraxelt hier als Erstes in die Höh'. In nördlicher Richtung entlang der tschechisch-österreichischen Grenze erstreckt sich der älteste Nationalpark Deutschlands. Sieht man nach Osten, fällt der Blick über wellige Wiesen und Baumlinien hinweg auf den wanderbaren Dreisesselberg. Und bei Föhnwetter gleicht der Horizont im Süden einer gezuckerten Zickzacklinie. Ob man sich am Anblick der majestätischen Alpenkette jemals sattsieht? Unweit des Turms, ein wenig versteckt auf einer Waldwiese, liegt der seit 2016 denkmalgeschützte »Staindlhof 1680« mit Heustadl, Stall und einem der ältesten Waldlerhäuser, wie Wohngebäude hier heißen, im Bayerischen Wald.

Auch wenn Gastgeber Florian schon lange nicht mehr in der Gegend lebt, hat er die Besuche auf dem »Staindlhof« in seiner Kindheit noch sehr liebevoll in Erinnerung. Wie beim Spielen im Stadl das Stroh durchs Hemd piekste, die am Waldrand grasenden Rehe schon beim kleinsten Mucks aufschreckten und er an heißen Sommertagen am Wasserlauf spielte. Großtante Marias Hof von 1680 war stets ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt und ist seit jeher im Besitz der Familie. So glücklich und behütet in der Natur aufgewachsen zu sein, empfindet Florian heute noch als einen großen Schatz. Als die Großtante 2019 altersbedingt den Hof verließ, war sein innigster Wunsch, den Hof auch für die kommenden Generationen zu erhalten, die Geschichte der Familie weiterzuerzählen und für Gäste zugänglich zu machen.

Sechs Jahre später ist der »Staindlhof« gottseidank kein Bauernhausmuseum, sondern ein ruheverwöhnter Ort, der einen bereits am Fuße der Waldwiese freundlich und warm empfängt. Läuft man den natursteinumsäumten Weg hinauf, passiert man zur Linken das alte Backhaus, heute Saunahäuschen. Rechterhand flattern Schmetterlinge im frisch angelegten Bauerngarten. Ob der Staketenzaun vor neugierigen Hasen schützt? Die Holzfassade des sanierten »Staindlhofs« präsentiert sich im ursprünglichen Gewand. Nur morsche Balken wurden ausgetauscht, noch blitzen sie in hellem Holz heraus. Man darf ruhig sehen, was alt und neu ist. Hinter der denkmalgeschützten Hülle liegen die beiden Ferienwohnungen »Heustadl« und »Waldlerhaus«, mit groben Materialien wie Holz, Granit und Stahl und wenigen Farbtupfern schick, schlicht-modern und zeitgemäß eingerichtet. Wie bei einem Haus im Haus blickt man durch große Glasfronten teils auf die jahrhundertealten Holzbalken von innen - und entdeckt durch die Lichteinlässe vielleicht grasende Rehe am Waldesrand.



hiersein-Themen

haus

  • Das Wohngebäude des denkmalgeschützten Staindlhofs stammt von 1680, die ehemalige Scheune wurde 1907 errichtet
  • Die Vision: eine »ehrliche« Sanierung, die zwischen 2023 und 2025 mithilfe eines denkmalerfahrenen Architekten, in Abstimmung mit dem Denkmalamt und ohne Verwendung von Altholz stattfand
  • Dabei wurde im ursprünglichen Bestand nur repariert bzw. ausgetauscht, wo notwendig; der dadurch entstandene farbliche Kontrast zwischen neu und alt ist beabsichtigt
  • Die Hauptmaterialien beschränkten sich im Wesentlichen auf Holz, Granitstein, Stahl und Glas
  • Die moderne Inneneinrichtung: bewusst schlicht und funktional gestaltet - in Anlehnung an die einfachen und ursprünglichen Lebensumstände früherer Generationen
  • Das Mobiliar: ein Mix aus Designklassikern, einzelnen Stücken aus dem Bestand und neuen Schreinermöbeln, gefertigt aus alter Eiche, die vom Grundstück stammt
  • Alle zuarbeitenden Handwerker kommen aus der Region und einem Umkreis von ca. 30 km

natur

  • Auf dem 5,5 Hektar großen Grundstück mit Wald und Wiesen findet man alten Baumbestand mit Obstbäumen; um den unterschiedlichsten heimischen Lebewesen Unterschlupf und Nahrung zu bieten, gibt es im naturnahen Garten Bereiche mit Totholz, die nicht gemäht und sich selbst überlassen werden, einen natürlichen Wasserlauf und sehr viele Natursteinmauern
  • Natürlicher Wasserkreislauf: Trink- und Gebrauchswasser kommen aus der eigenen Quelle oberhalb des Hauses, das Abwasser wird ökologisch geklärt wieder in die Natur zurückgeführt
  • Auch Regenwasser wird direkt am Grundstück in den Boden abgeleitet, versiegelte Flächen so gering wie möglich gehalten
  • Heizung und Warmwasser läuft über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die mit 100% Ökostrom betrieben wird
  • Für eine autarke Energieversorgung ist 2025 die Inbetriebnahme einer Photovoltaik-Anlage inkl. Batteriespeicher geplant
  • Durch Einsatz smarter Technik wird in gästefreien Zeiten energiesparend geheizt
  • Das Brennholz für Kaminofen, Holzherd oder Outdoorofen stammt aus dem benachbarten Wald
  • Bei der im Bad bereitgestellten Seife wird auf plastikfreie Inhaltsstoffe geachtet
  • Auch Putz- und Reinigungsmittel sind nach Möglichkeit auf natürlicher Basis


und sonst so?

  • Jede Ferienwohnung verfügt über zwei getrennte Schlafzimmer, insgesamt können je bis fünf Gäste übernachten; für die fünfte Person gibt es ein Schlafsofa im Wohnraum
  • Die Ferienwohnung »Heustadl« befindet sich über zwei Etagen in der ehemaligen Scheune
  • Nebenan liegt die Ferienwohnung »Waldlerhaus«, ebenfalls auf zwei Ebenen im einstigen Wohngebäude, wo bis zuletzt Großtante Maria lebte
  • Hand aufs Herz! Bei der Ausstattung haben die beiden Gastgeber, Florian und sein Mann (auch) Florian, wirklich an alles gedacht: von der Filter-Kaffeemaschine (die großartige Moccamaster!), über Kaffeemühle bis zum Espressokocher, vom gusseisernen Kochtopf bis zum Pendelschäler - mega, weil alles da!
  • Für die Gemütlichkeit wie anno dazumal findet ihr im »Heustadl« einen holzbefeuerten Kaminofen, im »Waldlerhaus« einen Holzherd
  • Jede der beiden Wohnungen verfügt über diverse private Outdoorsitzbereiche für den ersten Kaffee am Morgen und romantische Sundowner-Augenblicke; natürlich gibt es auch Bereiche, wo ihr gemeinsame Draußenzeit verbringen könnt – ausreichend Gartenstühle, Tische, Sitzbänke, Lounge-Stühle und Sonnenliegen sind vorhanden
  • Im »Waldlerhaus« dürfen gegen eine Gebühr von 50,- Euro pro Aufenthalt auch Hunde mitgebracht werden
  • Der Mindestaufenthalt liegt bei 3 Nächten, die Endreinigung ist im Übernachtungspreis enthalten; nur die Kurtaxe ist separat zu zahlen
  • Im ehemaligen Backhaus befindet sich der Spa-Bereich mit finnischer Sauna, holzbefeuertem Badebottich, Granittrog für die Abkühlung und einem großzügigen Außenbereich mit Outdoor-Ofen
  • Genug gechilled? Ausführlich Ausflugstipps, Ideen für Wander- oder Radtouren, Restaurantempfehlungen und sogar liebevoll zusammengestellte Kochrezepte bekommt ihr von den Gastgebern mit der digitalen Gästemappe
  • Und sonst? Steigt auf den Aussichtsturm am Oberfrauenwald und guckt euch den Bayerischen Wald in Ruhe von oben an



Fotos: © Anna-Maria Saller