Villa Breitenberg, Bayerischer Wald, Bayern

Villa Breitenberg

Ob es Marcel Reich Ranickis 'Mein Leben' war? Oder doch der dicke Wälzer von Umberto Eco? Anfangs, so Gastgeber Alexander Popitz, waren die unzähligen Bücher in der hoteleigenen Bibliothek mehr als Zierde gedacht. Doch dann gab es tatsächlich einen Gast, der seinen Aufenthalt nur aus einem Grund verlängert hat: er war schlicht und einfach noch nicht fertig mit seiner Lektüre. Ich finde ja: ein ziemlich gutes Argument. Und doch nur eines von vielen, um länger an einem Ort zu bleiben, der gerne kokettieren darf - mit Attributen wie wohltuender Ruhe, wunderschöner Natur und einem Sternenhimmel, der hier ungestört vom Großstadtlicht mit all seiner Wucht erstrahlt.

Fast herrschaftlich thront die ehemalige Landarzt-Villa von 1907 auf einem Hügel im Drei-Länder-Eck des südlichen Bayerischen Waldes. Eine Grenzregion, in der bewaldete Berghänge und wiesengrüne Täler sanft ineinander übergehen. Verlässt man den kleinen Ort Breitenberg in Richtung Norden und fährt bald links durch das auffällig blau gestrichene Eisentor, wirkt die alte Villa schon längst nicht mehr so trutzig. Prachtvolle Kletterrosen und wilder Efeu ranken sonnenselig die Granitfassade empor. Sonnenschirme - mal bunt gestreift, mal sommergelb - und Gartenstühle in knalligen Farben und klassischem Weiß scheinen aus dem üppig blühenden Naturgarten zuzurufen: "Komm, schnapp' dir ein Buch und genieße ein Gläschen Wein bei uns." Provenzalische Gefühle? Hach! Die können auch mit weitem Blick auf den Böhmerwald ganz ungeniert ausgelebt werden.

Mit viel Feingefühl für ihre Geschichte verwandeln Alexander und sein Partner Guido Hettler die Villa im Jahr 2016 in ein Boutique Hotel mit 14 Zimmern und zwei Apartments. Alexander ist Theatermensch und geht intuitiv in der Rolle des unaufdringlichen, aber aufmerksamen Gastgebers auf. Als leidenschaftlicher Koch kümmert sich Guido derweil darum, den Villa-Gästen die Slow-Food-Küche näherzubringen. Die wird (soweit möglich) genussvoll-gesellig im Stil der französischen Table d'hôte-Kultur an einer langen Gästetafel verköstigt - oder in romantischer Zweisamkeit. Die beiden Gastgeber haben feine Antennen und wissen: nichts muss, aber alles kann. Vorbei an der gut ausgestatteten Bibliothek und alten Gemälden, die viel über die Historie des Hauses erzählen, geht's auf knarzigen Holzdielen zur Nachtruhe in eines der schlicht-schönen Zimmer. Und vielleicht wartet dort ja schon 'Mein Leben' von Marcel Reich Ranicki als Bettlektüre.



hiersein-Themen

haus

  • Nachhaltigkeit ist Alexander und Guido ein großes Anliegen und wird bewusst in allen Bereichen ihres Betriebes berücksichtigt
  • Für die aufwändige Sanierung der Villa im Stil der Wiener Moderne (die Heimatstadt des Landarztes und Erbauers) und des maroden Kutscherhauses haben die beiden ausschließlich lokale Handwerksbetriebe beauftragt
  • Wichtig war ihnen dabei ein umsichtiger Umgang mit der bestehenden Bausubstanz und der Einsatz von traditionellen Baumaterialien wie z.B. Zementfliesen, Kalkputz und Silikat-Farben
  • Mit einem Mix aus Antiquitäten und hochwertigen modernen Design-Klassikern setzen die Gastgeber auf die Langlebigkeit der Einrichtung
  • Die Massivholz-Betten (das Holz kommt aus dem Bayerischen Wald) und Bettwaren (aus natürlichen Materialien) stammen von Produzenten aus der Region

natur

  • Ausgezeichnet! 2019 wurde der schöne Garten durch den Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege e.V. als Naturgarten "Bayern blüht" zertifiziert - der natürlich ohne chemisch-synthetische Dünger und Pestizide auskommt
  • Wildblumenwiesen, Wildrosenstauden, Obstbäume und Beerensträucher sind beliebte Tummelplätze für die Villa-Bienen; für Kleinreptilien gibt es reichlich Rückzugsorte zwischen den Findlingsmauern und in Totholz-Hecken
  • Mit dem Regenwasser aus der Zisterne gießen die Hausherren den großen Garten
  • Der Ökostrom stammt zu 100% von Greenpeace Energy
  • Geheizt wird die Villa ressourcenschonend über eine Holzpellet-Heizungsanlage
  • Zum aktiven Müllmanagement gehört für Alexander und Guido neben der Müllvermeidung durch sorgfältig geplanten Einkauf und weitestgehenden Verzicht auf Einwegverpackungen eine konsequente Mülltrennung und ein eigener Komposthaufen für Garten- und pflanzliche Küchenabfälle
  • Einsatz von umweltfreundlichen Reinigungsmitteln (Sonett) und traditionsreicher Naturkosmetik (Speick)

essen

  • Die Hausherren haben sich ganz der Kulinarik verschrieben und sind große Unterstützer der Slow-Food-Idee
  • Die Spezialität des Hauses? Guidos fantasiereiche und vegetarische Genuss-Menüs (seine letzte Station war das vegetarische Restaurant 'bux' am Münchener Viktualienmarkt) und klassische Fleischgerichte, die von 'Nose-to-tail' alle Teile des Tieres verwenden
  • Guidos roter Faden ist eine gehobene französische Landküche, für die er saisonale und zu 100% biologische Zutaten (Kontrollnummer DE-ÖKO-037) verwendet und mit regionalen Gerichten kombiniert
  • Das i-Tüpfelchen beim Bio-Frühstück: der Honig von den eigenen Bienen, die lustvoll im Garten herumsumsen

mensch

  • Alexander und Guido stehen für einen fairen und respektvollen Umgang mit ihren Mitarbeiter:innen, die allesamt aus der Region kommen
  • Versteht sich für die beiden von selbst: regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter:innen, die sich auch aktiv bei der Weiterentwicklung des Betriebes miteinbringen
  • Darüber hinaus engagieren sich die Gastgeber beim Helferkreis Breitenberg in einem Sprachkurs für Migrant:innen


und sonst so?

  • Die Villa hat insgesamt 14 Einzel- und Doppelzimmer in unterschiedlichen Größen und Kategorien ab 163 Euro/Nacht bei einer 2er-Belegung und 92 Euro bei einer Einzelbelegung inkl. Frühstück
  • Im Haupthaus befindet sich eines von zwei Apartments – geeignet für drei Personen
  • Die Maisonette-Wohnung Taubenschlag im Kutscherhaus bietet Platz für bis zu vier Personen (Frühstück optional) - ein weiteres Comfort-Zimmer (im Ross-Stall) kann hinzugebucht werden
  • Die Zimmer sind bewusst ohne Fernseher ausgestattet; wer mag, trifft sich in der Villa ganz ungezwungen und entspannt mit den anderen Gästen oder den Gastgebern zum Plausch
  • Hunde sind auf Anfrage willkommen
  • Eine kleine Sauna steht exklusiv zwischen 12 und 18 Uhr nach Voranmeldung zur Verfügung
  • Die Villa bietet reichlich Platz für kulturelle Veranstaltungen, Seminare, private Feiern und Hochzeiten – sogar ein Trauungsraum befindet sich im Haus
  • Kutscherhaus: kleiner Festsaal (60 qm) mit bester Akustik (bis 25 Personen) und ein Atelier für kreatives Arbeiten mit Hobelbank & Mal-Staffeleien (Wasser- und Starkstromanschluss vorhanden)
  • Haupthaus: Säulenraum (für Seminare) in der Garten-Etage (50 qm) und der kleine Salon (30 qm) - Seminar- und Bühnen-Technik kann hinzugebucht werden
  • Ob Figurentheater, Stifterlesungen oder Kammermusik - die Villa mag vielleicht ruhig gelegen sein, bietet aber (unter normalen Umständen) ein abwechslungsreiches Programm für Kulturbegeisterte an
  • Und tagsüber? Wandern, Radeln, Waldbaden - oder doch lieber ein Stadtausflug nach Passau?


Bilder

© Abel Hernandez & Florian Weichselbaumer - Studio Weichselbaumer
© Alicja Gola - Matt & Glänzend
© Jutta Herzog