Werkmeisters Hütte, St. Andreasberg, Oberharz, Niedersachsen

Werkmeisters Hütte

Rot die Backen, gut gefüllt der Krug, mit dem ein rauschebärtiger Alm-Öhi verschmitzt den Hüttengästen zuprostet. Auf dem Portrait zur Rechten: das Konterfei der Gastgeber. Sie tragen sicherheitshalber Helm statt Hut, denn Alex and Jan sind ausgesprochene Vollblut-Mountainbiker und echte Bergfreunde. Beim Betrachten der kurios-charmanten Bilderauswahl an den Wänden der Stube bekommt man eine vage Vorstellung davon, mit welch Pläsier - abseits jeglicher Alpenkitsch-Klischees - der »Werkmeisters Hütte« in Sankt Andreasberg der letzte Schliff verpasst wurde. Voran ging eine vierjährige, schweißtreibende Sanierung, doch seit August 2022 können die »Wirtsleit'« nun endlich ihre ersten Hüttengäste in Empfang nehmen.

Eigentlich betreiben die zwei Ex-Wahl-Hamburger im Oberharzer Bergstädtchen schon seit 2017 ein sehr lässiges und gern besuchtes Bed & Breakfast für Mountainbiker. Es ist das Jahr, in dem auch Töchterchen Lea zur Welt kommt. Als Außenstehender könnte man nun naiverweise annehmen, damit sei das Glück perfekt. Denn war die Idee nicht, die stressigen Jobs in der Medienbranche und die Großstadt gegen ein ruhigeres Leben im Harz einzutauschen? Doch als Alex und Jan 2018 unweit ihres Harz-B&Bs an einer Hütte mitten im Grünen vorbeischlendern, bringt das »Zu Verkaufen«-Schild wohl bisher schlummernde Synapsen zum Schwingen und der (vorläufig letzte?) Traum von der eigenen Hütte wird wahr.

Der Definition nach beherrscht ein Werkmeister die Grundlagen des Handwerks aus dem Effeff. Der Clou: Werkmeister ist der Nachname der Gastgeber, nicht deren Berufung im eigentlichen Sinne. Doch angetrieben von der Idee einer modern-muggeligen Berghütte machen Alex und Jan ihren Namen kurzerhand zum Programm: sie tüfteln und planen, (kern)sanieren mithilfe lokaler Handwerker, sägen, schleifen, hämmern und nageln für eigene Möbel und hübschen alte Fundstücke kunstvoll-kreativ wieder auf. Holz statt Plastik, nur die eidottergelbe Rutsche am Eingang darf als Relikt vergangener Zeiten bleiben. Die Vision der beiden ist eine Berghütte 2.0, nordisch geradlinig, die sich nicht allzu ernst nimmt, gleichzeitig kuschelig gemütlich, doch vor allem eines: nachhaltig und echt.

Das Bergstädtchen im Rücken, schmiegen sich das taubenblaue Cottage und eine kleine, kubische Sauna zwischen Bäumen an einen Hang mit glänzender Aussicht auf den Matthias-Schmidt-Berg gegenüber: im Sommer beliebte Spielwiese für Downhill-Biker, im Winter ein übersichtliches, familiäres Skigebiet. Downhill-Mountainbiken habe sehr viel mit buddhistischer Meditation gemeinsam, meint Gastgeber Jan, in beiden Disziplinen sei es wichtig, ganz im Moment zu sein. Puh! Also, ich komme ja gut mit weniger Adrenalin klar. Zum Runterkommen genügt mir vorerst der Liegestuhl auf der riesigen Terrasse mit famosem Bergblick und eine kühle Brause in der Hand. Santé, rauschebärtiger Alm-Öhi!



hiersein-Themen

haus

  • Auf eine kleine Renovierung eingestellt, folgte bei genauerem Hinsehen schnell die Ernüchterung und schließlich die Erkenntnis: hier geht nix ohne eine ordentliche Kernsanierung!
  • Größtenteils in Eigenleistung beginnen Alex und Jan mit einer umfassenden Sanierung, ersetzen marode Teile durch energiesparende Lösungen, entscheiden sich bewusst für nachhaltige und ökologische Materialien wie Echtholz und handgemachte Lehmfliesen und benutzen umweltfreundliche Farben & Lacke
  • Dort, wo die »Werkmeisters« mit den Grundlagen des Handwerks nicht ganz so versiert sind, holen sie sich Unterstützung von Profis aus Sankt Andreasberg oder dem benachbarten Bad Lauterberg
  • Auch beim Interior setzen die Betreiber auf Nachhaltigkeit und bauen ihre komplette Einrichtung nahezu selbst aus Massivholz
  • Glücksfunde auf Kleinanzeigen, wie ein historischer Jogltisch von 1770 oder die Sitzbank einer alten Dame im Eiche-Rustikal-Look werden liebevoll wiederaufbereitet, Dachbodenschätze verwandelt Tausendsassa Jan in bezaubernde Upcycling-Objekte

natur

  • Nur ein kleiner Teil des 700 qm großen Grundstücks wurde als nutzbarer Garten angelegt; der Rest darf wachsen, wie er mag, inmitten der gepflanzten Wildblumen tummeln sich im Sommer jede Menge Bienen und Hummeln
  • Die Stromversorgung von »Werkmeisters Hütte« ist zu 100% ökologisch; der Strom in Sankt Andreasberg wird zu 80-100 % nachhaltig mit Wasserkraft aus der Grube Samson erzeugt
  • Durch die energetische Sanierung konnten die größten Effekte in Sachen Energieeinsparung erzielt werden; z.B. beim Austausch der alten Fassade mit einer Holzfassade aus nachweislich nachhaltiger Forstwirtschaft und moderner Dämmung, die Decke wurde mit einer Holzfaserdämmung versehen
  • Die Installation einer PV-Anlage mit Speicher ist in Planung; zuerst wollen Alex und Jan ihr B&B damit ausstatten
  • Für die Gäste stehen separate Müllbehälter bereit, das Thema Mülltrennung wird in der Willkommensmappe umfassend erläutert

mensch

  • Zufriedene Mitarbeiter:innen, die gerne bei ihnen arbeiten und sich an der Entwicklung des Betriebs beteiligen sind für die Gastgeber eine Selbstverständlichkeit; Alex und Jan hören genau hin, unterstützen und fördern ihre Mitarbeiter:innen, wo immer es hakt - auch in privaten Belangen
  • Zwei von drei Mitarbeiter:innen kommen direkt aus dem Ort, Anett stammt aus Ungarn, die mit Sack und Pack nach Sankt Andreasberg zog; die Gastgeber kümmerten sich um Unterbringung, halfen bei Behördengängen, der Suche nach einem Kindergartenplatz, Sprachkursen und einem Job für ihren Mann
  • Mountainbiken & Naturschutz? Jan ist im Tourismus-Marketingbeirat der Gemeinde und engagiert sich für die Schaffung eines MTB-Trailnetzes; die Idee ist die aktive Kanalisierung des Mountainbike-Sports, um die Wildnutzung im Nationalpark einzudämmen


und sonst so?

  • Die Hütte ist etwa 70 qm groß und bietet mit zwei Schlafzimmern (ein Doppelbett und zwei Einzelbetten) und einer gemütlichen (zuziehbaren) Schlafkoje Platz für bis zu sechs Personen
  • Der Mindestaufenthalt beträgt zwei Nächte
  • Die Endreinigungspauschale liegt bei 85,- Euro
  • Ihr seid mehr als sechs Personen? Es gibt am Haus einen eigenen Camper-Stellplatz mit Stromanschluss
  • Das Cottage ist nigelnagelneu renoviert, die Gastgeber bitten um Verständnis, dass eure Vierbeiner (vorerst) leider zu Hause bleiben müssen
  • Wegen der Stufen vor dem Eingang und der schmalen Durchgänge ist das Cottage nicht für Rollstuhlfahrer geeignet, die Dusche hingegen ist ebenerdig begehbar
  • Anstelle von Kleiderschränken, die oft nur unnötig Platz verschwenden, hat Jan jedes Bett und die Schlafkoje mit großzügigen Schubladen versehen - smart!
  • Bikefreunde können sich über einen gesicherten Bikeschuppen freuen
  • Die Hütte liegt direkt gegenüber des Trail- und Bikeparks auf dem Matthias-Schmidt-Berg mit spektakulären Downhill-Strecken in den verschiedensten Schwierigkeitsgraden
  • Jans persönlicher Ausflugstipp für alle, die lieber zu Fuß unterwegs sind: eine Wanderung mit Kanada-Vibes durch den Nationalpark zum Oderteich, der ehemals größten Talsperre Deutschlands
  • Hand aufs Herz: zum Skifahren liegt auch im Oberharz oft nicht mehr ausreichend Schnee, zum Langlaufen oder Schneeschuhwandern reicht es aber meist; anschließend in die kleine Sauna im Garten hüpfen - herrlich!